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Die Freude des Auspackens

Die Archive von Suhrkamp und Insel bereichern seit diesem Jahr das Deutsche Literaturarchiv Marbach
Marbach am Neckar, 22.03.2010 | 

Umzug im XXL-Format: 2600 Kisten mit 20.000 Ordnern und 25.000 Büchern lagern jetzt in Marbach am Neckar und werden im Laufe der nächsten fünf Jahre ausgepackt. Mit dem Archiv der Verlage Suhrkamp und Insel erhält das Deutsche Literaturarchiv, das bereits heute über eine der bedeutendsten Sammlungen der deutschsprachigen Literatur und Philosophie des 20. Jahrhunderts verfügt, eine weitere Kostbarkeit.

Als "Glücksfall, der einem Archiv nur einmal im Jahrhundert passiert, wertet Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs, den Neuzugang, der Manuskripte und Korrespondenzen von Autoren wie Max Frisch, Theodor W. Adorno, Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Peter Handke oder Niklas Luhmann enthält. Die Erwerbung der Archive ist mit der Übernahme des wichtigsten Archivs des 19. Jahrhunderts, dem der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung im Jahr 1952 vergleichbar. .

"Das ist das Archiv eines der wichtigen Literaturverlage der alten Bundesrepublik", erklärt Germanist Jan Bürger, der in Marbach die Erschließung des Neuzugangs übernimmt. Es sei besonders inhaltsreich, weil Verleger Siegfried Unseld (1924-2002) die Autoren sehr stark in seine Arbeit einbezogen habe. Trotz guter Erschließung " gibt es auch Bereiche, in denen man wie ein Archäologe auf Schätze stößt."

Die Verlagsleitung von Suhrkamp hatte sich für Marbach entschieden, weil die Stadt am Neckar die einzigartige Verbindung eines forschungsstarken Archivs mit gleich zwei Literaturmuseen vorweisen kann: Das Schiller-Nationalmuseum sowie das Literaturmuseum der Moderne (LiMo) sind die weltweit einzigen, ausschließlich für die Ausstellung von Literatur genutzten Häuser. Bundesweit nimmt das Deutsche Literaturarchiv eine herausragende Stellung ein und genießt auch international eine hohe Reputation als Ort geisteswissenschaftlicher Forschung.

Rund 1.200 Autorennachlässe, 800.000 Bücher, 200.000 Kunstgegenstände, Fotos und Erinnerungstücke lagern im Marbacher Archiv, dessen Bestände von Hölderlin bis Hofmannsthal, von Kästner bis Kafka, von Rilke bis Ringelnatz, von Mascha Kaléko bis Sarah Kirsch reichen. Im Literaturmuseum der Moderne, das in einem ebenso schlichten wie monumentalen Neubau von David Chipperfield untergebracht ist, wird in wechselnden Ausstellungen dieses überlieferte Gedächtnis der literarischen Moderne ausgebreitet.

Das neu hinzugewonnene Archiv empfiehlt sich nicht allein aufgrund seiner Autoren. Es ist eine ergiebige Quelle, wenn es darum geht, in die Literatur- und Ideengeschichte, die Editionsphilologie oder die Buchhandels- und Wirtschaftsgeschichte nach 1945 einzutauchen. In ihrer literaturwissenschaftlichen und geistesgeschichtlichen Bedeutung sind die Archive der Verlage Suhrkamp und Insel von höchstem Wert. Sie stellen einen wesentlichen Bestandteil des geistigen Erbes der Bundesrepublik Deutschland dar, das Insel Archiv reicht gar bis in Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück.

Die Archive von Suhrkamp und Insel dokumentieren darüber hinaus das Leben und Wirken Siegfried Unselds, des wohl bedeutendsten Verlegers deutschsprachiger Nachkriegsliteratur, seine Kindheit in Ulm, die Buchhandelslehre sowie seine richtungweisende Begegnung mit Hermann Hesse. So werden die neuen Bestände jetzt unter dem Namen Siegfried Unseld Archiv geführt.

Bereits im Juni wird das Deutsche Literaturarchiv auf der Schillerhöhe in Marbach mit der Ausstellungsreihe Suhrkamp-Insel erste Kostproben präsentieren. In der Folge werde alle vier Monate ein neues Thema aufgefächert, sagt Archiv-Direktor Ulrich Raulff. "Wir wollen so auch die Freude des Auspackens etwas teilen." In der Dauerausstellung und in vielen der wechselnden Ausstellungen des Literaturmuseums der Moderne werden die Verlagsarchive von Suhrkamp und Insel künftig eine herausragende Rolle spielen.

www.dla-marbach.de

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