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Orangen als Statussymbol

Der Pomeranzengarten des Leonberger Schlosses ist ein wiederhergestelltes Kleinod der Renaissance
Leonberg, 09.07.2012 | 

Mitten in Leonberg liegt ein Kleinod der besonderen Art. Der unterhalb des Leonberger Schlosses angelegte Pomeranzengarten ist einer der wenigen in seiner Struktur erhaltenen Terrassengärten aus der Zeit der Renaissance. Er gehört zu den wenigen Gärten aus der Zeit der Spätrenaissance in Europa und ist der einzige in Deutschland. Eleganz, Schönheit und Geschichte einer vergangenen Gartenwelt umgeben den Besucher. In der erhöht gelegenen Oase der Ruhe muss heute niemand mehr einen adeligen Stammbaum vorweisen, um dort zu lustwandeln.

Sibylla von Württemberg (1564-1614) hatte 1609 das Leonberger Schloss als Witwensitz ausgewählt, nachdem ihr Mann, Herzog Friedrich I. ein Jahr zuvor verstorben war. Sie hatte 1581 mit 16 Jahren geheiratet und in den folgenden 15 Jahren ebensoviele Kinder zur Welt gebracht. Ihren Ruhestand wollte sie nicht in der mittelalterlichen Hofanlage verbringen, die Graf Ulrich I. von Württemberg (1226-1265) als Teil der Stadtbefestigung erbaut hatte.

Architekt: Der schwäbische Leonardo

Die zeitgemäße Umgestaltung nahm der damalige Stararchitekt Heinrich Schickhardt (1558-1635) in die Hand. Schickhardt, der als schwäbischer Leonardo gilt, entwarf unter anderem Freudenstadt neu, von ihm stammt dem das zerstörte Lusthaus in Stuttgart und er entwarf die alte Neckarbrücke in Köngen. Er gestaltete auch untere Schlossportal in Tübingen und erweiterte Schlösser sowie Kirchen, ob in Waldenbuch, Backnang oder Göppingen.

Als Hofbaumeister wurde er beauftragt, nicht nur das Schloss im aktuellen Zeitgeschmack neu zu gestalten, sondern auch einen Lustgarten anzulegen. Das entsprach zwar dem damaligen Zeitgeschmack, doch die Herzogin war auch bekannt dafür, an Botanik und Heilkunde interessiert zu sein. Es heißt, dass sie ihr Interesse an der anrüchigen Alchemie zu verschleiern suchte, indem sie ihre Kräutersammlung als Arzneimittel für arme Leute ausgab.

Duft-, Gewürz- und Heilpflanzen

Sibylla von Württemberg war bereits in Stuttgart Herrin eines im ganzen Reich berühmten Gartens gewesen. So ließ ihr Sohn Johann Friedrich nach den Vorstellungen seiner Mutter in Leonberg einen "fürstlichen Lustgarten samt Pomeranzenhaus und Brunnenkasten" nach italienischem Vorbild anlegen.

Heute residieren Finanzbeamte im Leonberger Schloss und blicken sicher ab und an gerne auf das bunte Grün, das strenge Form mit liebevollen Details verbindet. Duft-, Gewürz- und Heilpflanzen bilden das Grundgerüst eines typischen Renaissancegartens, der gleichermaßen Schönheit, Seltenheit und Nutzbarkeit verbindet.

Der Lustgarten liegt quer vor dem Schloss mit einer darauf bezogenen Mittelachse. Auf der Südseite unterhalb des Schlosses wurde eine rechteckige Terrasse mit doppelläufigem Treppenabgang angelegt, der sich repräsentativ zur Talseite öffnet. Kleine Pavillons markieren die Eckpunkte. Ein breiter, balustradengesäumter Weg umgibt den Garten und eine achteckige Brunnenanlage mit Obelisk, der vom Leonberger Steinmetz Hans Josenhans ausgeführt wurde, bildet seinen Mittelpunkt.

Bitterorangen als Statussymbol

Der Garten erhielt seinen Namen von der wertvollsten Pflanze, die sich darin befand. Pomeranzen, die in der Küche und Hausapotheke Verwendung fanden, waren mehrere Jahrhunderte lang die Lieblinge des Adels. Die Bitterorangen wurden gehegt und gepflegt, denn sie galten als Statussymbol und stellten als Sinnbild für die goldenen Äpfel der Hesperiden die Beziehung zum Paradiesgarten der Antike her.

Man zog sie in Kübeln und verschönerte mit den frostempfindlichen Pflanzen im Sommer den Garten. Zur Überwinterung waren sie in einem hölzernen, abschlagbaren Pomeranzenhaus auf der oberen Terrasse untergebracht, das mit mehreren Öfen und auf allen Seiten ins Fachwerk eingepassten Fenstern ausgestattet, für ausreichend Licht und Wärme sorgte. Heute befindet sich dort ein Laubengang.

Verwildert und wiederentdeckt

Da das Schloss nach 1742 nicht mehr als fürstlicher Wohnsitz genutzt wurde, verwilderte der höfische Garten. 1796 bis 1801 wohnte Friedrich Schillers verwitwete Mutter in einer kleinen Wohnung im Schloss. Sie durfte dort mit ihrer noch unversorgten vierten Tochter wohnen und erhielt eine Pension. Zu Beginn der 1970er-Jahre wurden bei Rodungsarbeiten die Fundamente des Gartens wieder entdeckt. Bis 1980 konnte er auf der Grundlage von Originalplänen Schickhardts restauriert werden. Der unterhalb der Gartenterrasse angelegte Obstgarten und der neben der Terrasse angelegte Küchengarten wurden nicht wieder hergestellt, wie auch die früher reich ausgestattete Brunnengrotte am Fuß der Treppenanlage.

www.leonberg.de/Kultur-Tourismus/Sehenswertes/Pomeranzengarten

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