Suche

presseservice.region-stuttgart.de

Präzisionsarbeit in gebückter Haltung

Die Paul Kipp GmbH aus Kornwestheim ist deutscher Marktführer für die Linierung und Markierung von Hallensportböden
Kornwestheim, 16.01.2009 | 

Im Jahr 1946 als Malerwerkstätte gegründet, ist die Paul Kipp GmbH aus Kornwestheim heute deutscher Marktführer für Markierungen von Sportanlagen: Fast alle großen Stadionanlagen sowie zahllose Sporthallen wurden von den Markierungsspezialisten liniert. Mit über 20 Beschäftigten markiert Kipp jährlich rund 1.000 Sporthallen und beschichtet über 150.000 Quadratmeter Sportböden.

Leistungs-, Hobby- und Schulsportler kennen sie von Sportplätzen und -hallen; ohne sie gäbe es keine messbaren Rekorde in der Leichtathletik; niemand wüsste, wo die 100-Meter-Strecke zu Ende und ob ein Hand-, Basket- oder Volleyball "aus" ist: Gut sichtbare Markierungen gehören zu den Grundbedingungen des sportlichen Wettbewerbs. Doch wer nimmt die Aufgabe auf sich, in gebückter Haltung hoch präzise Millionen Meter von Linien aufzubringen? Die Paul Kipp GmbH aus Kornwestheim bei Stuttgart hat sich seit den 1960er Jahren eine Spitzenposition als Spezialist für Markierungen von In- und Outdoor-Sportanlagen in Europa erarbeitet und ist heute mit einem Marktanteil von über 90 Prozent bei der Markierung von Sportböden unangefochten Marktführer. Fast sämtliche großen Stadionanlagen sowie zahllose Sporthallen wurden von den Kornwestheimern liniert. Heute markiert das Unternehmen jährlich 1.200 Kilometer Linien und beschichtet über 150.000 Quadratmeter Sportböden mit lösungsmittelarmen Spezialprodukten.

Wie fast immer fing alles ganz "harmlos" an: "Den 1946 von ihm gegründeten Malerbetrieb erweiterte mein Vater Mitte der 1960er Jahre um ein neues Geschäftsfeld", sagt der 62jährige geschäftsführende Gesellschafter Heinz Kipp, der als Sohn der Gründers seit 45 Jahren im Familienunternehmen arbeitet und sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat. "Damals begann er mit wenigen Beschäftigten, Straßen in den umliegenden Städten und Gemeinden zu markieren, dann folgten Spielplätze und Schulhöfe - alles noch mit gewöhnlicher Farbe."
Kontinuierliches Wachstum durch stetigen Wandel

Die reiche Erfahrung mit Straßen- und Platzmarkierungsarbeiten kam Paul Kipp zugute, als er sich im Jahr 1967 als Partner für 3M Tartan bewarb. Das US-amerikanische Unternehmen aus St. Paul, Minnesota, ersetzte in Europa alte Aschenbahnen durch neuartige Tartanbahnen und suchte Spezialisten für Markierungen. "Das erste Stadion mit Kunststoffbelag, das wir markierten war der berühmte Letzigrund in Zürich, das erste Tartanstadion in Deutschland war das damalige Stuttgarter Neckarstadion", so Heinz Kipp. "Wir markierten uns Jahre lang durch sämtliche Stadien Europas, hinzu kamen Aufträge in Saudi-Arabien, Ägypten, Tunesien, Indonesien und Argentinien."

Spektakuläre Großaufträge brachten die Olympischen Spiele von München im Jahr 1972 und die Fußballweltmeisterschaft von 1974. "Zuletzt markierten wir das Olympiastadion in Moskau für die Sommerspiele von 1980 - trotz des Boykotts von 64 westlichen Staaten", sagt Heinz Kipp. Wenig später begann in der Folge von Neuentwicklungen anderer Firmen das gemeinsame Monopol vom 3M Tartan und Kipp an Bedeutung zu verlieren. Als 3M diesen Geschäftsbereich schloss, zeigte sich, wie klug die Entscheidung von Kipp gewesen war, sich bereits Anfang der 1970er Jahre auf das Markieren von Hallenböden zu spezialisieren. Da es keine Farben auf dem Markt gab, die auf PVC-Böden hinreichend gut hafteten, entwickelte Kipp eigene Materialien. Diese hafteten derart nachhaltig, dass keine Rillen mehr in die wertvollen Böden gefräst werden mussten, um die Farben aufzubringen - simples Auftragen reicht aus. Heute ist das Markieren von Sporthallenböden das größte Standbein bei Kipp.

Von den etwa dreieinhalb Millionen Euro, die die Paul Kipp GmbH heute jährlich umsetzt, entfallen über 500.000 Euro auf den Handel mit lösungsmittelarmen Spezialfarben. Zum Stammwerk in Kornwestheim sind inzwischen Tochterunternehmen in Hermsdorf bei Magdeburg und in Tschechien hinzugekommen.

Markieren hat immer Saison

Bei den rund 1.000 Sporthallen, die Kipp derzeit pro Jahr markiert, kommen Beschichtungen auf Polyurethanbasis zum Einsatz. Immer wichtiger werden die ebenfalls selbst entwickelten Produkte für die Reinigung und Pflege der Hallensportböden: Wenn Sportböden kaputt gingen, liege das weniger an der mechanischen Belastung als an - infolge falscher Pflege - eingedrungener Feuchtigkeit, sagt Heinz Kipp. Neueste Kipp-Entwicklung: Ein lösungsmittelfreier Reiniger zur Entfernung von Harzflecken nach Handballspielen. "Wir geben fünf Jahre Garantie auf die Abriebbeständigkeit unserer Markierungen und Farben, und wir garantieren die Genauigkeit der Linien." Die enge Zusammenarbeit mit Vermessungstechnikern sei deshalb unverzichtbar.

Die körperliche Belastung für die 20 Mitarbeiter, die ausschließlich mit der Markierung von Sporthallen und -plätzen beschäftigt sind, ist enorm. "Sie arbeiten unter ständigem Zeitdruck, und aus Sorge um die Genauigkeit der Linien fast immer in gebückter Haltung", erklärt Heinz Kipp. Eine geregelte Ausbildung zum Markierer gebe es nicht. "Ich benötige Leute, die nicht auf den Kopf gefallen sind, das können Maler und Lackierer sein, aber auch Lehrer oder Automechaniker." Sie werden in zwei bis drei Jahren Einarbeitungszeit zu Markierungstechnikern und Kolonnenführern weiter gebildet. In den Sommermonaten werden sie von Saisonkräften, meist Schülern und Studenten unterstützt. Von Pfingsten bis Ende Oktober sind alle Mitarbeiter voll ausgelastet. "In dieser Zeit machen wir unsere Umsätze, deshalb gibt es Urlaubssperren", so Heinz Kipp.

Im Gegenzug ist die Bezahlung überdurchschnittlich gut - zumal seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr nach Stunden, sondern nach Leistung abgerechnet wird. Seit nach markierten laufenden Metern, nach Quadratmetern oder pauschal bezahlt wird und die Eigeninitiative der Mitarbeiter gefordert ist, erhalten diese bei geringerem Zeitaufwand bis zu fünfzehn Prozent mehr Lohn. Das kommt natürlich gut an, zumal sämtliche Beschäftigte an der Entwicklung von Unternehmensstrategien und -philosophien beteiligt werden. Inzwischen macht sich Heinz Kipp viele Gedanken über die Zukunft - einerseits über die Erschließung neuer Märkte, andererseits über seine Nachfolge: "Meine Tochter, ausgebildete Betriebswirtin, und mein Schwiegersohn, der Architekt ist, arbeiten seit Jahren im Unternehmen mit, so dass ich mir wohl keine ernsthaften Sorgen machen muss."

www.kipp-markierungen.de