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Bücher klappen nicht mehr zu: Die Ribler GmbH aus Stuttgart baut revolutionäre Papierverarbeitungsmaschinen

Der Herr des Kaltleims schafft es, dass Kochbücher nicht mehr zuklappen
Stuttgart, 05.11.2003 | 

Erfinder dieser Weltneuheit ist Franz J. Landen, Geschäftsführer der Ribler GmbH in Stuttgart, die seit 1957 Maschinen für die Papierverarbeitung entwickelt und produziert. Ribler Maschinen binden Bücher nicht auf herkömmliche Art mit Heißleim, sondern mit Kaltleim, der in die Poren des Papiers eindringt und sich dort durch Kapillaraktivität ausbreitet. Da die Leimschicht nur 0,3 Millimeter dick ist, kann das Buch nicht zuklappen. Die Papier verarbeitende Industrie ist von dieser Erfindung beeindruckt, denn die Haltbarkeit der Bindung ist doppelt so hoch wie bei konventionellen Verfahren, die Produktionskosten aber um 50 Prozent niedriger. Rund 100 Maschinen werden bei Ribler jedes Jahr gebaut. Kunden sind Druckereien, Buchbindereien und auch Copy-Shops auf der ganzen Welt. Unterstützt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, einer der größten Stiftungen in Europa, die innovative beispielhafte Projekte zum Umweltschutz fördert, wird im kommenden Jahr ein Nachfolgemodell der revolutionären Bindemaschine auf den Markt kommen, die ihre Vorgängerin noch in den Schatten stellen soll.

Jeder kennt die Parfümproben in Zeitschriften, die ihren Duft erst entfalten wenn man darüber streicht. Das Verfahren, das Duftstoffe auf das Papier aufträgt, ist eine Erfindung von Franz J. Landen, dem Geschäftsführer der Ribler GmbH in Stuttgart-Möhringen, die seit 1957 Maschinen für die Papierverarbeitung entwickelt und produziert. Ob Nudeln an kleinen Metall-Ansteckern oder Duftstoffe auf Cremes und Lidschatten - es gibt fast nichts, was Landen nicht verbinden, verkleben oder applizieren könnte. Seine Leidenschaft, mit Klebemethoden zu experimentieren, brachte ihm in Fachkreisen den Titel des "Bindepapstes" ein, den ihm schon lange keiner mehr streitig macht. Kein Wunder, denn die Ribler GmbH ist seit Jahren führend bei der Entwicklung von Maschinen für die Papierverarbeitung. Angefangen hat Franz J. Landen bei Ribler als Mechaniker. Nach dem Ausscheiden des vormaligen Besitzers im Jahr 1985 wurde er Eigentümer und Geschäftsführer der Firma.

Sparsame Maschinen machen auch kleine Auflagen rentabel

Ohne Rücksicht auf die in der Branche verbreitete Meinung, dicker, zäher Klebstoff verbinde Papier und Buchdeckel am besten miteinander, experimentieren Landen und seine fünf Mitarbeiter auf der Suche nach der perfekten Bindemethode vor allem mit dünnflüssigen Klebstoffen, die kalt verarbeitet werden können. Die Industrie unterstützt diesen Ansatz.
Herkömmliche Papierbindemaschinen arbeiten mit Leimen, die mit hoher Temperatur aufgetragen werden und nach dem Erkalten die Seiten zusammenhalten. Der Nachteil: Der Leim ist zäh wie Himbeersirup und kann nicht in das Papier eindringen. Deswegen muss er großzügig aufgetragen werden. Die entstehende dicke Klebstoffschicht ist dafür verantwortlich, dass Bücher von selbst zuklappen, sobald man sie loslässt. "Beim Kaltleimverfahren werden die Seiten eines Buches nicht mit Kunststoffen, sondern mit einer wässrigen Klebelösung miteinander verbunden, Voraussetzung ist eine auf dieses Verfahren abgestimmte spezielle Rückenbearbeitung des Buchblocks", erklärt Franz. J. Landen. Der Buchblock wird angefräst und so weit aufgeraut, dass die Fasern frei liegen. "Stellen Sie sich ein Löschpapier vor, auf das man einen Tropfen Tinte gibt. Auf Grund der Kapillaraktivität breitet sich die Tinte in gezackter Form auf dem Löschpapier aus, so ist das auch mit dem Leim", sagt Franz J. Landen. "Durch das Aufrauen des Buchblocks ist die Faser in der Lage, den Klebstoff sofort aufzusaugen, vorausgesetzt, er ist nicht dick wie Sirup oder Honig, sondern dünnflüssig wie Milch oder Wasser." Der Klebstoff, der ins Papier eindringt, ist nur 0,3 Millimeter dick und verhindert das Zuklappen des Buches. Er bricht auch nicht auseinander, wenn das Buch extrem weit aufgeklappt wird - nicht einmal beim Biegen um 360 Grad.
Seit zwei Jahren stellt Franz J. Landen sein unkonventionelles Bindeverfahren bei Kongressen auf der ganzen Welt vor. Fast überall findet er offene Augen und Ohren, dennoch lassen sich nicht alle auf Anhieb von der neuen Technik überzeugen. "Seit 60 Jahren bindet man Bücher mit dem alten Verfahren, von Kaltleim wollen viele Anwender erst einmal nichts wissen. Noch sind vor allem Maschinen gefragt, die bis zu 10.000 Einheiten pro Tag produzieren", sagt Landen. "Doch das beginnt sich zu ändern, seit der Massenmarkt zunehmend von Anbietern aus Asien bedient wird, denn der Trend geht zu immer kleineren Auflagen, und dafür sind unsere Maschinen wie geschaffen."

150 statt 50.000 Watt: Ist das ein Argument?

Entwickelt wurde die Kaltleimmaschine speziell für den Digitaldruck. Vor allem Verfahren wie "Book-on-demand" und "Print-on-demand" profitieren von der neuen Technik. Denn vergriffene Bücher, wissenschaftliche Arbeiten oder Werke noch unbekannter Autoren können zu moderaten Kosten in kleinen Auflagen gedruckt und gebunden werden. Und auf kleinere Auflagen hat sich Landen spezialisiert: "Sie brauchen nur mal auf die Buchmesse zu gehen: Es gibt es immer mehr Titel, die aber in immer kleineren Auflagen gedruckt werden." Je kleiner die Auflagen, desto größer die Chancen für die Ribler GmbH: "Mit unserer neuen Technik produzieren wir ein Buch genau so schnell wie auf herkömmliche Art, der wesentliche Unterschied ist
aber, dass wir bei gleicher Tagesproduktionsmenge von circa 2.500 Büchern nur einen Energieverbrauch von 150 Watt statt 50.000 Watt haben." Für 2.500 Bücher seien sechs bis acht Kilogramm Heißleim erforderlich, schätzt Landen. Das Kaltleimverfahren kommt mit eineinhalb Kilogramm aus. Hinzu kommt, dass die Haltbarkeit der Bücher enorm verbessert und wesentlich weniger Kohlendioxid ausgestoßen wird.
Im November 2003 feiert Franz J. Landen sein 35-jähriges Berufsjubiläum. Kaum ein anderer kennt die Papier verarbeitende Branche wie er. Erst vor kurzem hat er mehrere Tage lang in Japan verhandelt. "Das Interesse der Verlage und Druckereien war ausgesprochen groß, die gut informierten und vorbereiteten Japaner hat unser Stand der Technik sehr beeindruckt", erzählt Franz J. Landen. "Auch in Fernost stößt unser neues Modell, das erst nächstes Jahr auf den Markt kommen wird, auf sehr viel Interesse."
Die Branche ist klein und überschaubar, da kennt jeder jeden. Und wer etwas über Bindeverfahren wissen will, der kommt an Ribler sowieso nicht vorbei. Durch die Erfindung der Kaltleimbindetechnik wurde Landen "bekannt wie ein bunter Hund". Täglich treffen E-Mails, Briefe und Faxe von Interessenten für die neue Maschine ein. "Oftmals kenne ich diese Unternehmen gar nicht, man empfiehlt mich offenbar häufig weiter."
Im Bereich der Bindetechnik ist die Ribler GmbH, bezogen auf die Firmengröße, weltweit das Unternehmen mit den meisten internationalen Patenten. Allein für das aktuelle Modell der Bindemaschine wurden rund 20 Patente angemeldet, beim Nachfolgemodell werden es noch ein paar mehr sein. Nicht zuletzt weil es gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft der Papier verarbeitenden Industrie entwickelt wurde, hat Landen die humane Gestaltung des Arbeitsplatzes im Bereich der Buchbinderei
ebenso berücksichtigt wie den Umweltschutz und die Verarbeitung von neuen Materialien - auch solchen, die vorher noch nie in der Buchbinderei eingesetzt wurden. Aus diesem Grund förderte das Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg diese Entwicklung. Für die Herstellung der neuen Maschine soll im nächsten Jahr eine neue Produktionsfirma ausgegründet, die Mitarbeiterschaft auf bis zu 50 aufgestockt werden. "Wir sind gewiss überdurchschnittlich experimentierfreudig und begeistern uns immer wieder für die Technik", sagt Landen stolz. Das neue Modell soll etwas ganz Besonderes werden, mehr will er aber noch nicht verraten.

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