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Das Stuttgarter Ballettwunder

Stuttgart, 03.02.2011 | 

50 Jahre sind vergangen, seit John Cranko 1961 in Stuttgart seinen Posten als Ballettdirektor antrat und die Compagnie auf den Weg zum "Stuttgarter Ballettwunder" brachte. Sein 50. Jubiläum feiert das heute weltberühmte Stuttgarter Ballett mit Festwochen vom 4. bis zum 27. Februar 2011.

Zwar hat das Ballett in Stuttgart eine Tradition, die am württembergischen Hof im 17. Jahrhundert begründet wurde und ihren ersten Höhepunkt im 18. Jahrhundert unter dem Tanzreformer Jean-Georges Noverre erreichte. Ein weiterer Höhepunkt war es, als der Bauhaus-Künstler Oskar Schlemmer 1922 mit der Stuttgarter Compagnie das Triadische Ballett aufführte. Die maßgebliche Ära begann aber im Jahr 1961 mit der Berufung des Choreografen John Cranko zum Ballettdirektor. Er formte das Stuttgarter Ballett und dessen weltweites Renommee, so dass sich das 50-Jährige Jubiläum auf den Beginn seines Wirkens bezieht.

Walter Erich Schäfer, dem Generalintendanten der Württembergischen Staatstheater, ist es zu verdanken, dass John Cranko von London nach Stuttgart kam und als gerade einmal 32-jähriger die Stuttgarter Compagnie übernahm. Mit Cranko begann die Blütezeit des Balletts. Am Anfang schuf Cranko kleine Choreografien und sammelte eine Gruppe von Tänzerpersönlichkeiten um sich, darunter Egon Madsen, Richard Cragun, Birgit Keil, Susanne Hanke und allen voran Marcia Haydée.

Mit den drei choreografischen Neuschöpfungen von "Romeo und Julia", "Onegin" und "Der Widerspenstigen Zähmung" avancierte Cranko zum genialen Erneuerer des abendfüllenden Handlungsballetts. Das erste USA-Gastspiel des Stuttgarter Balletts im Jahr 1969 machte die Compagnie mit einem Paukenschlag bekannt. Überwältigt vom frischen Auftritt der Stuttgarter Tänzer sowie der durchdachten Choreografie, die den Staub der Geschichte abschüttelte, prägten amerikanische Kritiker den Begriff des "Stuttgarter Ballettwunders".

Auf dieser Basis hatte Cranko beste Karten und startete eine kleine Revolution. Er setzte eine zweite Ballettcompagnie durch, die sich ausschließlich dem reinen Tanzen widmen konnte. Bis dato war es in allen deutschen Theatern üblich gewesen, dass Ballettcompagnien in Opern mittanzten und nur ab und zu eigene Aufführungen hatten.

Mit zunehmendem Ruhm reiste das Stuttgarter Ballett auf Tourneen durch die Welt. Zudem ermutigte Cranko seine Tänzer, selbst zu choreografieren und setzte sich für die Stuttgarter Noverre-Gesellschaft ein, die bis heute junge Choreographen fördert. Die Liste der Choreografen, die ihre ersten Ballette in Stuttgart schufen, und fast ausschließlich Mitglieder der Compagnie waren, liest sich wie ein Who is Who der Ballettszene, darunter Jiří Kylián, John Neumeier, William Forsythe, Uwe Scholz, Renato Zanella und Christian Spuck.

1971 verwirklichte Cranko seine Idee, in Stuttgart eine Ballettschule zur Ausbildung von Nachwuchstänzern zu gründen. Damit wurde für junge tänzerische Talente die Möglichkeit geschaffen, eine kontinuierliche Ausbildung in klassischem Tanz von der Unterstufe bis zum professionellen Abschluss zu absolvieren. Seit 1999 steht die John-Cranko-Schule mit angegliedertem Internat unter der Direktion von Tadeusz Matacz und gehört zu den renommiertesten Ballettschulen der Welt.

Als John Cranko 1973 zwölf Jahre nach seiner Ankunft in Stuttgart auf dem Rückflug einer USA-Tournee unerwartet starb, übernahm nach einem zweijährigen Interregnum des amerikanischen Choreografen Glen Tetley Marcia Haydée die künstlerische Leitung des Stuttgarter Balletts. Unter ihr wuchs das Repertoire des Stuttgarter Balletts weiter. Zwanzig Jahre lang führte Marcia Haydeé mit Erfolg die traditionsreiche Compagnie.

Seit 1996 ist der Kanadier Reid Anderson Ballettdirektor. Er war 1969 von John Cranko engagiert worden und tanzte 17 Jahre lang als Solist des Stuttgarter Balletts, übernahm die künstlerische Leitung der Compagnie, der er im Sinne John Crankos einen neuen Auftritt verpasste, von dem Publikum und Kritiker gleichermaßen angetan sind. 2006 erhielt Reid Anderson den Deutschen Tanzpreis. Mit der Auszeichnung werde auch die Bedeutung der Stuttgarter Compagnie gewürdigt, teilte der Verein zur Förderung der Tanzkunst in Deutschland mit. Auch Tänzer sowie hauseigene Choreografen werden regelmäßig mit Preisen bedacht, die das Renommee der Compagnie belegen.

Das Stuttgarter Ballett erwartet viele Freunde, Gäste und Ehemalige aus aller Welt zu einem ereignisreichen Jubiläumsprogramm. Am 5. Februar eröffnen Ballettintendant Reid Anderson und die ehemalige Stuttgarter Tänzerin, Direktorin und heutige Ballettdirektorin in Chile, Marcia Haydée, im Kammertheater die Festwochen zu 50 Jahre Stuttgarter Ballett.

John Crankos Grab liegt übrigens auf dem kleinen Friedhof bei Schloss Solitude in Stuttgart.

www.staatstheater.stuttgart.de/ballett

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