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Der Dübel für den Zahn

Die Heliocos GmbH aus Stuttgart hat ein neues Implantatsystem entwickelt, das den Knochen stabil hält und schneller heilt
Stuttgart, 21.12.2011 | 

Ob das Regal, das einfach nicht an der Wand hängen bleiben wollte, den Zahnarzt Dr. Reinhold Grabosch zur Erfindung eines neuen Implantatsystems inspiriert hat, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass der Gewindedübel wegen seines starken Halts Vorbild für das neuartige System war, das Grabosch erfunden hat. Für dieses Prinzip hat die Heliocos GmbH aus Stuttgart beim Businessplanwettbewerb CyberOne Award 2011 in der Kategorie Start-up den ersten Preis gewonnen.

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Der erfahrene Implantologe Grabosch wollte schlichtweg die Nachteile herkömmlicher Implantate ausschalten und eines entwickeln, das schnell eingesetzt wird und fest hält, so dass die Behandlung möglichst zügig abgeschlossen ist. Ein ehrgeiziges Ziel, doch für den Zahnarzt, der in den vergangenen Jahren mehr als 20 Patente und Gebrauchsmuster angemeldet hat, kein Ding der Unmöglichkeit. "Er ist ein Erfinder durch und durch", schmunzelt Martin Gerlich, einer der drei Geschäftsführer von Heliocos, zu denen außerdem Dr. Klaus Teichmann und Joachim Wilke gehören. Sie haben 2009 die Heliocos GmbH gegründet.

Zum Gesellschafterkreis gehören neben Grabosch unter anderem noch zwei Business-Angels, der Medizinproduktentwickler Walter Börner, die Cormedics Medizintechnik GmbH, die i.con innovation GmbH und die Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Gerlich glaubt, dass das System sowohl für Zahnärzte als auch für Patienten viele Vorteile bietet. Vor allem Letztere kennen die möglichen Unannehmlichkeiten, wenn ein Zahn entfernt und entsprechender Ersatz implantiert werden muss. Der schmerzende Übeltäter ist zwar meist schnell gezogen, doch ab diesem Zeitpunkt kann es mehrere Monate dauern, bis ein Implantat operativ eingesetzt werden kann. Damit aber nicht genug: Während dieser Zeit kann das leere Knochenfach kollabieren und eine langwierige Behandlung zum Knochenaufbau nach sich ziehen, bevor mit dem Implantat fortgefahren werden kann.

Genau diesen Nachteil vermeidet das zweiteilige Heliocos- System. Es besteht aus einem Anker und einer Basis, die über ein Gewinde verbunden werden. Ist der alte Zahn entfernt, kann sofort der Anker in die entstandene Lücke eingefügt werden, weil er im Gegensatz zu anderen Implantaten viel tiefer sitzt. Während der Heilung wird er vollständig vom Knochen durchwachsen und stabilisiert ihn zugleich. Nach vier Monaten wird in einem minimalinvasiven Eingriff nur noch die Basis eingesetzt und zwei Monate später die Krone oder Brücke darauf.

Die Vorteile für Patienten liegen auf der Hand: Nicht nur, dass die Behandlungsdauer viel kürzer ist als bei bisherigen Implantaten, auch die Risiken eines kollabierten Knochenfachs oder einer Entzündung werden minimiert. Die Ärzte hingegen können sich wegen des einfachen Systems viele Werkzeuge sparen. Außerdem funktioniert es auch rückwärts: Gibt es im Laufe des Lebens Probleme mit Entzündungen oder Knochenrückgang, so kann die obere Implantatkomponente einfach herausgedreht und nach der Behandlung wieder in den im Knochen verbliebenen Anker eingebracht werden. Eine aufwändige Operation wird somit überflüssig.

Momentan befindet sich das Heliocos-System im Zulassungsprozess, der bis Ende 2012 abgeschlossen sein soll. Der Markteinführung steht dann nichts mehr im Wege. Gerlich hofft, dass die Firma in fünf Jahren einen Marktanteil von fünf Prozent erzielt und zügig Gewinn abwirft. "Das Prinzip ist simpel und Erfolg versprechend. Außerdem haben wir schwäbisch-konservativ kalkuliert", schmunzelt er. Der Erfolg dieser Rechnung spricht für ihn, schließlich hat Heliocos so die Jury des CyberOne Awards überzeugt.

Es könnte aber auch am Motto der Firma liegen: "Bewährtes neu denken" ist das Credo von Grabosch und seinen Kollegen. Daher gönnt er sich keine Verschnaufpause, sondern tüftelt schon an seiner nächsten Erfindung, einem neuen System für festsitzende Zahnspangen.

www.heliocos.de

Heliocos im Film

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