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Der höchste Berg Württembergs

Ausstellung auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg, der jahrhundertelang ein Gefängnis war
Asperg, 30.07.2012 | 

Er heißt der "Demokratenbuckel", der "Tränenberg", der "Hausberg der schwäbischen Intelligenz" oder der "Schicksalsberg" und schiebt sich auf der A 81 zwischen Leonberg und Ludwigsburg ins Blickfeld. Die Rede ist von der Festung und dem ehemaligen Staatsgefängnis Hohenasperg. Die Erhebung trug früher auch den bösen Spitznamen "der höchste Berg Württembergs", weil man den nur 90 Meter hohen Kegel in 20 Minuten bestiegen hat, es aber Jahre dauern konnte, bis man wieder hinunterkam.

"Hohenasperg - Ein deutsches Gefängnis" lautet der Titel der Dauerausstellung, die das Haus der Geschichte Baden-Württemberg im ehemaligen Arsenalbau des Gefängnisses eingerichtet hat. Am Beispiel von 22 Häftlingsbiographien zeigt die Schau, wie sich der Freiheitsentzug als Strafe über drei Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Weit über Württemberg hinaus galt der Hohenasperg lange als das politische Gefängnis schlechthin.

Viele tausend Menschen waren über die Jahrhunderte hinweg hoch oben auf der Festung eingesperrt und siechten unter schlimmsten Bedingungen dahin. Manche mussten dort für ihre politische Überzeugung büßen, andere waren schlicht in Ungnade gefallen oder wurden Opfer rassistischer Verfolgung. Die "Festungshaft" hoch oben auf dem weithin sichtbaren Berg war eine besonders anschauliche Demonstration der Macht. Überliefert ist, dass sich Kinder in der näheren Umgebung oft den Satz: "Wenn Du nicht brav bist, kommst Du auf den Asperg" anhören mussten.

Das erste prominente Opfer war der Jude Joseph Süß Oppenheimer, der 1737 bis 1738 Gefangener auf dem Hohenasperg war. Der gewiefte Kaufmann brachte die Finanzen des Herzogs in Ordnung und wurde Opfer von Neid, Hass und Intrigen. Sechs Jahre lang wurde sein Leichnam in einem Käfig auf dem Stuttgarter Galgenberg zur Schau gestellt. Dichter, Denker und Kritiker wurden danach bevorzugt auf den Hohenasperg gekarrt. Zehn Jahre lang, von 1777 bis 1787, schmorte dort Christian Schubart, der die absolutistische Herrschaft und Dekadenz im Herzogtum Württemberg mit scharfer Zunge öffentlich anprangerte und über Angst und Eiseskälte in seinem Kerker klagte.

1822 war der politisch engagierte Friedrich List, einer der bedeutendsten deutschen Wirtschaftstheoretiker, für zehn Monate gefangen. 1848/1849 war der Asperg Elitegefängnis für liberale und revolutionäre Kritiker, unter anderem für Theobald Kerner, den Sohn des Dichters Justinus Kerner, und für Gottfried Rau, der zu einem bewaffneten Marsch auf den Cannstatter Wasen rief.

Im 20. Jahrhundert waren es dann Mitglieder von kommunistischen Parteien, Sinti und Roma, Gegner des Nazi-Regimes, die dort gefoltert wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Hohenasperg zur Landesstrafanstalt und zum Sitz der Strafvollzugsschule für Baden-Württemberg. Seit 1968 ist auf dem ehemaligen "Tränenbuckel" das Zentralkrankenhaus für den badisch-württembergischen Strafvollzug untergebracht.

Ob Familien, Schulklassen, Geschichtsinteressierte oder professionelle Historiker - in der Dauerausstellung auf dem Hohenasperg findet sich viel Wissenswertes. Im Leseraum mit einer großen Datenbank sind vertiefende Recherchen möglich. Neben der originalen Tür der Schubart-Zelle sind zahlreiche andere originale Objekte zu sehen.

"Hohenasperg - Ein deutsches Gefängnis" ist eine von insgesamt sechs dezentralen Dauerausstellungen, die das Haus der Geschichte Baden-Württemberg konzipiert hat. Neben der Stauffenberg-Erinnerungsstätte in Stuttgart sind dies das Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim, die Erzberger-Erinnerungsstätte in Münsingen-Buttenhausen, das Turenne-Museum in Sasbach und die ehemalige Synagoge Haigerloch.

www.hdgbw.de/ausstellungen/dezentrale-ausstellungen/hohenasperg

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