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Der Kosmos von Rudolf Steiner

Die Alchemie des Alltags - eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart zeigt die Welt der Anthroposophie und ihre Bezüge zur Kunst
Stuttgart, 09.02.2011 | 

Am 27. Februar 2011 jährt sich der 150. Geburtstag von Rudolf Steiner, dem Begründer der Antroposophie. Das Kunstmuseum Stuttgart spürt dem Kosmos Rudolf Steiner in einer umfangreichen Sonderschau nach. Die bislang größte Sonderausstellung des Kunstmuseums Stuttgart macht auf rund 2.000 Quadratmetern die kulturgeschichtliche Bedeutung Steiners und dessen Einfluss auf die zeitgenössische Kunst umfassend sichtbar.

Wohl kaum eine zweite Stadt in Deutschland ist so stark vom Gedankengut Rudolf Steiners (1861-1925) geprägt worden wie Stuttgart: 1904 kam er erstmals hierher, um einen Vortrag zu halten. Ein Jahr nach dem ersten Weltkrieg gründete er auf der Stuttgarter Uhlandshöhe die erste Waldorfschule überhaupt - benannt nach ihrem Förderer, dem Stuttgarter Zigarettenfabrikanten Emil Molt, der die Marke Waldorf-Astoria vertrieb. Steiner wohnte eine Zeitlang in Stuttgart und sprach damals in der alten Liederhalle und im Gustav-Siegle-Haus vor bis zu 2.000 Menschen.

Außer diesem geistigen Nährboden fand Steiner hier zudem auch Impuls- und Geldgeber, einige Stuttgarter Fabrikanten, die ihm den weiteren Weg bereiteten. Eine Vielzahl anthroposophischer Einrichtungen prägt seither die Identität der Stadt mit. In keiner anderen Region finden sich so viele und so vielfältige Einrichtungen, die nach Steiners Grundsätzen geführt werden. Das Panorama reicht dabei über Schulen, Kindergärten und diverse Ausbildungsstätten bis hin zu Kultureinrichtungen, wie dem Forum 3, Verlagen, Kliniken und sogar Banken. Mit Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette DM, hat einer der bundesweit bedeutendsten Unternehmer mit anthroposophisch ausgerichtetem Führungskonzept seinen Lebensmittelpunkt in Stuttgart.


Steiners Ideen wirken bis heute

Rudolf Steiner gilt als einer der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Reformer des 20. Jahrhunderts. Er gründete die Waldorf-Schulen - von ihnen gibt es weltweit beinahe 1000 Stück - und trat für ein ganzheitliches Menschenbild ein, das heute in vielen Formen unseren Alltag prägt - ob in Biokosmetik, einem gesteigerten Umweltbewusstsein oder in Produkten aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft. Das bis heute gebräuchliche Weleda-Logo - auch ein erfolgreiches Unternehmen aus der Region Stuttgart - wurde von ihm entwickelt. Steiner inspirierte Künstler wie Piet Mondrian, Wassily Kandinsky oder Joseph Beuys, gilt als ein Begründer der "organischen Architektur" und entwickelte selbst im Möbeldesign eine einzigartige Formensprache. Star-Architekt Frank O. Gehry bekennt sich zu Steiner, auch Hans Scharoun knüpfte an dessen Ideen an.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich Rudolf Steiner den Ruf eines anerkannten Goetheforschers erworben, dessen naturwissenschaftliche Schriften er kommentiert und ediert hatte. Danach folgte sein Engagement in der Theosophischen Gesellschaft, eine 1875 in New York gegründete Organisation, die beträchtlichen Einfluss auf nachfolgende esoterische Bewegungen genommen hat. Die Theosophie, die sich um 1900 auch in Europa ausbreitet, nahm Anleihen aus sämtlichen Weltreligionen, vornehmlich asiatischer Denkweisen. Ihre Weltanschauung ist spirituell geprägt und beruht darauf, dass es ein kosmisches Bewusstsein gibt, innerhalb dessen alles Existierende und jede Wesenheit, in ihrer Essenz miteinander verwandt, belebt und beseelt ist. Alle Lebewesen seien - so die Überzeugung - als eine unauflösbare Universale Bruderschaft miteinander verbunden.


Der Mensch steht im Zentrum

Nach Unstimmigkeiten mit den Leitfiguren der theosphischen Bewegung wandte sich Steiner davon
ab. 1913 gründete er eine eigene Weltanschauungsbewegung, die auf theosophischen Grundgedanken fußend, den Menschen mit Körper, Geist und Seele zum Zentrum seines Lehrgebäudes erklärte: die Anthroposophie. In 300 Büchern und mehreren tausend Vorträgen äußerte sich Steiner in den folgenden Jahren zu allen wichtigen Lebensbereichen.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert waren als Reaktion auf Industrialisierung und materialistischen Fortschrittsglauben viele unterschiedliche Reformbewegungen entstanden, die ähnlich wie Rudolf Steiner eine Umgestaltung und Neuorientierung von Pädagogik, Ernährung, Landwirtschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft propagierten. Für Rudolf Steiner waren Kunst und Architektur entscheidenden Bereiche, um seine neue Sichtweise für jeden erfahrbar zu machen.

br>Inspiration für unterschiedlichste Künstler

Steiner suchte den Kontakt zu Künstlern. Viele waren in jener Zeit von seiner Ideenwelt eines umfassenden Gesamtkunstwerks fasziniert, so etwa Wassily Kandinsky, der antroposophische und theosophische Gedanken in seiner berühmten Schrift "über das Geistige in der Kunst" verarbeitet. Eine einflussreiche Vorbildfunktion für die moderne Architektur übte der zweite Bau des Goetheanums aus, das 1928 in Dornach bei Basel eröffnet wurde. Rudolf Steiner entwarf diesen ersten Monumentalbau aus Beton. Er ist der Sitz der Antroposophischen Gesellschaft. Die Stuttgarter Ausstellung zeigt, dass aus den vielen markanten Ausstattungsstücken bis heute auch nichtanthroposophische Designer Anregungen ziehen.

Anhand historischer Dokumente, Möbel, Filme und Architekturmodelle macht dieser vom Vitra Design Museum konzipierte Ausstellungsteil deutlich, wie umfassend der Steinersche Ansatz gewirkt hat, dass sich sein ganzheitliches Denken gerade heute in vielen gesellschaftlichen Bereichen wiederfindet.

Viele Künstler ließen sich von ihm anregen. Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt neben Beuys, dessen in dessen Werk die Steiner-Lektüre deutliche Spuren hinterlassen hat, dreizehn weitere Künstler, die bislang kaum in diesem Kontext angesiedelt und interpretiert wurden. Indes werden durch die Begegnung von historischen Dokumenten mit zeitgenössischen Exponaten viele Bezüge überraschend offensichtlich.

Ein Großteil der Leihgaben stammt aus dem Rudolf Steiner Archiv in Dornach sowie der Kunstsammlung Goetheanum, die die Vorbereitung der Ausstellung durch Recherchen maßgeblich unterstützt haben. Die bekannten Wandtafeln von Rudolf Steiner, mit denen er seine Vorträge illustrierte, werden ebenfalls in einer repräsentativen Auswahl gezeigt.

Das Kunstmuseum will mit der Gesamtschau ein Forum für eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema sein, weswegen die Ausstellung von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm begleitet wird. Das Kunstmuseum legt in Ergänzung der beiden Ausstellungskataloge die Publikation Rudolf Steiner in Stuttgart vor. Wenn die Ausstellung "Rudolf Steiner - Die Alchemie des Alltags" am 22. Mai 2011 ihre Pforten schließt, wird sie anschließend noch im Museum für angewandte Kunst in Wien sowie im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen sein.

kunstmuseum-stuttgart.de
www.rudolf-steiner.com
www.rudolf-steiner-haus-stuttgart.de

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