Suche

presseservice.region-stuttgart.de

Franz, das elekrische Schwein

Es grunzt nicht und braucht kein Futter. Dennoch wühlt es unermüdlich im Schlamm und pflügt in kurzer Zeit riesige Flächen um. Die Rede ist von einem kleinen Roboterfahrzeug der Thermo-System GmbH, das in Anlagen zur solaren Klärschlammtrocknung zum Einsatz kommt.
→ zum Bild

Franz, das Elektroschwein bei der Arbeit

Stuttgart, 07.02.2006 | 

Der Weltmarktführer für solare Klärschlamm-Trocknungssysteme ist in der Region Stuttgart zu Hause: Die Thermo-System GmbH aus Filderstadt hat sich ein kostengünstiges und umweltschonendes Solar-Trocknungsverfahren patentieren lassen, das die Entsorgungsprobleme vieler Kläranlagenbetreiber lösen kann. Herzstück der Anlage ist ein "elektrisches Schwein’.

Es grunzt nicht und es braucht kein Futter. Dennoch wühlt es unermüdlich im Schlamm und pflügt in kurzer Zeit riesige Flächen um. Die Rede ist nicht etwa von einem sensationellen Erfolg in der Schweinezucht, sondern von einem kleinen Roboterfahrzeug, das in Anlagen zur solaren Klärschlammtrocknung zum Einsatz kommt. Dass seine Konstrukteure dennoch ein inniges Verhältnis zu ihrem "Geschöpf’ haben, zeigt sich unter anderem daran, dass es vor der Inbetriebnahme getauft wurde: Es "hört" auf den Namen Franz.
Franz tut seinen Dienst in gewächshausähnlichen Hallen, in denen nasser Klärschlamm zum Trocknen ausgebreitet wird. Die Sonnenstrahlung und ein ausgetüfteltes Umluftsystem sorgen dafür, dass der braunen Masse Wasser entzogen wird. Dabei übernimmt das kleine Fahrzeug, das an einen VW-Käfer ohne Dach erinnert, eine wichtige Aufgabe. Mit seinen Mischwerkzeugen wendet und durchlüftet es den mikrobiologisch hoch aktiven Schlamm, beschleunigt so die Trocknung und beugt Fäulnisprozessen vor. Die Trocknung ist eine wichtige Vorarbeit für die Verbrennung des flüssigen "Klärabfalls’, schließlich besteht unbehandelter Klärschlamm zu mehr als 95 Prozent aus Wasser. Und die Verbrennung - die Abfallwirtschaft spricht von "thermischer Verwertung’ - gilt mittlerweile als Königsweg der Klärschlammentsorgung.

Problemstoff Klärschlamm

Denn Klärschlamm ist ein Problemstoff. Als Endprodukt jeder Art von Abwasserreinigung fallen in Deutschland jährlich mehr als 60 Millionen Tonnen der braunen Masse an. Und die hat es in sich: Schwermetalle, pharmazeutische Rückstände und Krankheitserreger waren nur die wichtigsten Stichworte in der breit ausgetragenen Diskussion in den vergangenen Jahren. Inzwischen besteht in Fachkreisen weit gehend Einigkeit darin, dass beim Einsatz von Klärschlamm, beispielsweise in der Landwirtschaft, Risiken für Mensch und Umwelt nicht auszuschließen sind. Auch die Deponierung von Klärabfällen ist seit 2005 verboten.
Daraus ergibt sich für viele Gemeinden ein ernsthaftes Entsorgungsproblem. Der wichtigste Entsorgungsweg der Vergangenheit, der Einsatz als Dünger in der Landwirtschaft, ist diskreditiert und von Seiten mehrerer Landesregierungen massiv unter Druck. Nun, da auch die Deponierung nicht mehr möglich ist, bleibt nur noch die Verbrennung. Klärschlamm so zu verbrennen, wie er auf der Anlage anfällt, ist allerdings weder sinnvoll noch finanzierbar: Der Schlamm muss entwässert werden. Was übrig bleibt, ist eine Trockensubstanz, die günstig transportiert werden kann, so gut wie geruchsneutral ist und die als Brennstoff in einer modernen Anlage den Brennwert von Braunkohle erreicht. So stehen viele Gemeinden und Abwasserzweckverbände vor der Frage, wie sie die enormen Mengen Klärschlamm, die in ihrem Verantwortlichkeitsgebiet anfallen, effektiv und kostengünstig trocknen können, bevor sie an eine der großen Verbrennungsanlagen geliefert werden können.

Die einfache und nahe liegende Lösung: Solare Trocknung

Ein junges Unternehmen aus Filderstadt bei Stuttgart bietet eine innovative Lösung an, die sich bereits an über 60 Standorten in Deutschland, Österreich, Frankreich, den USA, Brasilien, Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bewährt. Die Thermo-System Industrie- und Trocknungstechnik GmbH ist Weltmarktführer auf dem Gebiet der solaren Klärschlammtrocknung. Zentrale Idee der findigen Gründer, die zuvor als Wissenschaftler an der Stuttgarter Universität Hohenheim tätig waren: Anstelle von Erdgas oder Erdöl sollte die Sonne die Energie für den Trocknungsprozess liefern. "Bei allen konventionellen Bemühungen, dem Klärschlamm das Wasser zu entziehen, entstehen hohe Energie- und Personalkosten", erklärt Dr. Tilo Conrad, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter des 1997 gegründeten Unternehmens, das Funktionsprinzip der Trocknungssysteme mit dem "elektrischen Schwein’. "Wir lassen lieber kostenfrei die Sonne für uns arbeiten."
Natürlich steckt ein ausgeklügeltes technisches Know-how in den Anlagen aus der schwäbischen Ideenschmiede. Das Kernstück des Systems ist eine Leichtbauhalle aus witterungsbeständigem verzinktem Stahl. In der einfachsten Ausführung ist sie mit einer transparenten Polyethylen-Luftpolsterfolie ummantelt. Durch diese Folie dringt Sonnenlicht ungehindert in das Innere der Halle, der feuchte Schlamm nimmt die Wärme der Strahlung auf und es entsteht eine Art Treibhausklima. Damit dieser natürliche Effekt unterstützt wird, kommt pfiffige Technik ins Spiel. An einer Giebelseite sorgt ein Entlüftungsventilator dafür, dass die Innenluft - und mit ihr die dem Schlamm entzogene Feuchtigkeit - nach draußen gelangt. Eine Lüftungsklappe an der entgegen gesetzten Seite sorgt für Frischluftzufuhr. Dieser atmosphärische Austausch wird mit Sensoren und Mikroprozessoren exakt geregelt. Von Anfang an kommt zusätzlich das elektrische Schwein zum Einsatz, um die Durchlüftung durch Wenden des Schlamms zu forcieren.

Kein Widerspruch: Ökonomische und ökologische Vorteile

Dieses Verfahren bietet eine Reihe ökonomischer aber auch ökologischer Vorteile. Die niedrigen Investitionskosten von etwa 150.000 Euro für eine kleine Standardanlage sind für Kläranlagenbetreiber ein wichtiges Argument. Und auch die Betriebskosten halten sich bei Thermo-System-Anlagen in Grenzen: "Elektrische Energie benötigen wir nur für die Ventilatoren und das Roboterfahrzeug, auch der Personalaufwand ist minimal", sagt Dr. Tilo Conrad. Die Klärschlamm-Entsorgungskosten vieler Kommunen lassen sich nach den Beispielrechnungen seines Unternehmens mit Hilfe der solaren Trocknung deutlich senken. Aber auch die Umwelt profitiert von der patentierten Entwicklung der Agraringenieure: Die solare Trocknung reduziert das Transportvolumen des Klärschlamms und macht damit viele Lkw-Fahrten überflüssig, es werden keine fossilen Energieträger verbrannt und Geruchsbelästigungen werden vermieden.
Vor diesem Hintergrund, vor allem aber auch aufgrund des internationalen Erfolges solarer Trocknungssysteme rechnet Dr. Tilo Conrad mit einem zügigen Wachstum seines Unternehmens. Das Schwein Franz hat heute schon über 100 "Nachkommen’ in aller Welt - und seine Familie wird rasch größer.

THERMO-SYSTEM Industrie- und Trocknungstechnik GmbH:
Dr. Tilo Conrad, Echterdinger Str. 57, 70794 Filderstadt, Tel.: 0711-489459-10, Fax: 0711-489459-90,
E-Mail: tilo.conrad@thermo-system.com

Wirtschaftsförderung Region Stuttgart auf Twitter

Sandra Rathmann von @BoschPresse macht den Abschluss als zweites gutes Beispiel aus der Praxis für… https://t.co/pvRjTiLGsy · vor 23 Stunden
Jetzt geht's in die Praxis beim #TalenteForum mit Tanja Bühler von der @AOKBWPresse. #Flexiblearbeitszeit #Gutbrod https://t.co/byMQN9SxTV · vor 1 Tag
Dr. Andreas Hoff, einer der führenden Experten im Thema #FlexibleArbeitszeit referiert im #gutbrod beim… https://t.co/zH8QAPvdN0 · vor 1 Tag