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Gerda Taro: Auf der Suche nach authentischen Bildern

Retrospektive zum 100. Geburtstag der aus Stuttgart stammenden Fotografin
Stuttgart, 02.02.2010 | 

Sie wurde 1910 in Stuttgart geboren und liegt auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise begraben. Als Gerda Taro erst 27-jährig stirbt, führen die Dichter Pablo Neruda und Louis Aragon den Trauerzug an. Tausende folgen dem Sarg der jüdischen Exilantin, politischen Aktivistin und Pionierin der Kriegsfotografie. Im Jahr ihres 100. Geburtstags zeigt das Kunstmuseum Stuttgart als einzige Station in Deutschland eine vom International Center of Photography New York zusammen mit der Taro-Biographin Irme Schaber konzipierte Retrospektive. Sie umfasst 85 Exponate und begleitende Materialien.

Gerda Taro gilt als erste Kriegsreporterin und berichtete ab 1936 aus dem spanischen Bürgerkrieg. Auf der Suche nach authentischen Bildern entstanden Aufnahmen, die Leid und Leben der spanischen Bevölkerung während des Krieges aus beeindruckender Nahsicht dokumentieren und einen neuen Weg in der Kriegsberichterstattung beschreiten.

Es ist erst zwei Jahre her, dass zahlreicher Negative aus dem Spanischen Bürgerkrieg entdeckt wurden, die eine Neubewertung des Werks von Gerda Taro möglich machten. Ihre Fotos gerieten bald nach ihrem Tod in Vergessenheit, nicht zuletzt durch durch den Ruhm und Erfolg ihres Lebensgefährten Robert Capa, dessen berühmteste Aufnahme zu einer Ikone der Fotografie geworden ist, gleichwohl die Authemtizität des Bildes mittlerweile angezweifelt wird. Es zeigt einen tödlich getroffnen Kämpfer, der seine Waffe fallen lässt während er rückwärts zu Boden stürzt.

Gerda Taro wurde als Gerta Pohorylle geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Stuttgart. 1929 zog die Familie nach Leipzig und schloß sich dort sozialistischen Gruppierungen an. Im März 1933 wird Gerta von den Nazis verhaftet. Als sie kurz darauf wieder auf freien Fuß gesetzt wird, geht sie ins französische Exil. Die Anfangszeit in Paris war hart. Ihre Freundin Ruth Cerf erinnerte sich an ganze Wochenenden, die sie liegend auf dem Bett verbrachten, nur um in Zeiten des Hungers keine Energie zu verschwenden.

In Paris lernte sie 1934 den ungarischen Fotografen André Friedman kennen. Sie wurde bald darauf seine Schülerin und auch seine Lebensgefährtin. Er brachte ihr den Umgang mit der Kamera bei, doch sehr bald inspirierten sie sich gegenseitig. Um sich als Juden zu schützen und um mehr Aufträge zu erhalten, erfand sie für beide die Pseudonyme Gerda Taro und Robert Capa. Ganz im Geist linker Utopien arbeiteten sie im Kollektiv unter dem gemeinsamen Label "Reportage Capa & Taro" und gründeten so die erste Fotoagentur - ein Prinzip, das sich danach etablieren sollte. Aus diesem Grund war es später schwierig, Taros Bilder herauszufiltern.

Als das Militär am 18. Juli 1936 in Spanien putschte, entschloß sich Gerda Taro, wie viele andere Intellektuelle nach Spanien zu gehen und fotografierte von dort mit großem Erfolg für verschiedene internationale Zeitungen. Sie verstand sich als Berichterstatterin mit subjektivem Blick. Die zierliche und elegante Fotografin sorgte nicht allein damit für Aufsehen, dass eine Frau als Reporterin unterwegs war - sie stöckelte anfangs in hochhackigen Schuhen daher.

Gerda Taro verharrte in Schützengräben, wo ihr die Bomben um die Ohren flogen. Ihr Wagemut wurde mit Fotos belohnt, die weltweit publiziert wurden - so etwa die Brunete-Serie. Am 25. Juli 1937 wird sie während eines Angriffs der deutschen Legion Condor versehentlich von einem republikanischen Panzer überrollt. Zwei Tage später erliegt sie in einem Hospital ihren Verletzungen.