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Herzkammer der Politik mit imponierendem Äußeren und exzentrischer Geschichte

Tag der offenen Tür in der Villa Reitzenstein am Samstag, den 18. September 2010
16.09.2010 | 

Was haben eine Stuttgarter Verlegertochter, ein Baron, der dem Glücksspiel zugetan war und ein Architekt, der beim Umbau des Müncher Hofbräuhauses Erfahrungen sammelte, gemeinsam? Ihre Geschichte hängt mit einem Haus zusammen, das sich wie ein Schloss präsentiert, ein Anwesen, dessen Technik einmal der letzte Schrei war, ein Treffpunkt der feinen Gesellschaft, das als Lazarett diente, in einen Dornröschenschlaf verfiel und Regierungszentrale unter wechselnden Machthabern wurde: Die Villa Reitzenstein, heute die Herzkammer der baden-württembergischen Politik, hat Geschichte geschrieben. Zum zweiten Mal öffnet der Regierungssitz seine sonst streng geschlossenen Pforten.

Beim Tag der offenen Tür am 18. September lässt sich ein Blick hinter die Kulissen des Sitzes der baden-württembergischen Landesregierung werfen und womöglich sogar mit dem Ministerpräsidenten und den Regierungsmitgliedern am Kabinettstisch plaudern. Nach der großen Resonanz im vergangenen Jahr öffnet das Staatsministerium erneut seine Pforten. Zwischen 12 Uhr und 18 Uhr sind alle Interessierten eingeladen, das Staatsministerium und das gesamte Areal der Villa Reitzenstein zu entdecken. Bei schönem Wetter wird auch der Park für Besucher geöffnet.


Von der Villa zum Regierungssitz

Die Villa Reitzenstein in Stuttgart ist der Amtssitz des Staatsministeriums Baden-Württemberg und des jeweiligen Ministerpräsidenten. Sie liegt auf halber Höhe auf einem Hügel südöstlich über dem Stuttgarter Talkessel. In den großzügigen Räumlichkeiten der Villa finden die Sitzungen und Besprechungen statt. Hier wird regiert und der Ministerpräsident fällt Entscheidungen, die alle Bürger des Landes betreffen.

Die Herzkammer der baden-württembergischen Politik hat eine ebenso spannende wie wechselvolle Geschichte. Die repräsentative Villa wurde zwischen 1910 und 1913 für Baronin Helene von Reitzenstein erbaut. Sie selbst stammte aus einer bekannten Familie. Ihr Vater war Eduard Hallberger, ein Stuttgarter Verleger. Aus dem 1848 durch ihn gegründeten Verlag und der bereits 1831 von dessen Vater Louis Hallberger gegründeten Hallberger"schen Verlagshandlung entstand durch Fusion 1881 die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), die bis im Jahr 2000 in Stuttgart ansässig war.

Helene von Reitzensteins Gatten, der aus einem fränkischen Adelsgeschlecht stammte und dem beim Glücksspiel verfallen war, hatte es früh hinweggerafft. Es war allerdings genügend Geld übriggeblieben, denn nach seinem Tod gab die schwerreiche Witwe den Bau der Villa Reitzenstein in Auftrag, eine dreiflügelige Anlage, die sich an den französischen Barockstil anlehnt.


Das Beste ist gerade gut genug

Die Architekten der Villa waren Hugo Schlösser und Johann Weirether. Beide hatten an der Technischen Hochschule in Stuttgart studiert und betrieben ein erfolgreiches Architekturbüro. Sie bauten neben vielen Villen in den begehrten Stuttgarter Hanglagen auch für Max Levi, den Miteigentümer der Schuhfabrik Salamander. Sie zeichnen auch für die Bergkirche in Stuttgart-Degerloch, die St.-Clemens-Kirche in Stuttgart-Botnang und den Umbau der Eberhardskirche verantwortlich. Hans Weirethers ehemaliges Wohnhaus findet sich übrigens nicht weit entfernt von der Villa Reitzenstein in der Gerokstraße Nr. 4 auf der Gänsheide - heute wie damals eine erste Adresse. Hugo Schlösser war zu dieser Zeit bereits Regierungsbaumeister und sammelte als junger Architekt Erfahrungen bei seinem Münchner Kollegen Max Littmann, als dieser das Innere des Hofbräuhaus im Stil der Neorenaissance umgestaltete.

Die Bauherrin Helene von Reitzenstein wollte etwas Besonderes und sandte beide, ganz unbescheiden in der Tradition europäischer Königshäuser, auf eine Reise nach Frankreich und Italien, um dort Anregungen für die Außen- und Innenarchitektur der Villa zu sammeln. Mühe und Geld waren nicht umsonst angelegt. Die Villa Reitzenstein ist das imponierendste Bauwerk historistischer Architektur in Stuttgart.

Um die Villa wurde auf dem zweieinhalb Hektar großen Grundstück ein Park nach dem Entwurf des Gartengestalters Karl Eitel angelegt - teils im französisch-regelmäßigen Stil, teils im englischen Stil eines Landschaftsgartens, mit Solitärbäumen, einem Rosengarten, mehreren Teichen und einem Amor -Tempietto. Zu der umfriedeten Gesamtanlage gehören diverse Nebengebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Wohngebäude des amerikanischen Militärs und ein Verwaltungsgebäude im Park errichtet, so dass heute von ihm Park nur noch knapp ein Hektar erhaltengeblieben ist.


Pilgerstätte für Besucher

Bereits der Bau geriet zur Attraktion. Am Wochenende pilgerten die Stuttgarter ins Villenquartier mit bester Aussichtslage. In der Villa wurde an nichts gespart, aber die Bauherrin zeigte sich auch technischen Entwicklungen gegenüber sehr aufgeschlossen. Goldene Wasserhähne wurden ebenso eingebaut, wie eine der ersten Zentralheizungen und ein Telefonanschluss. Es wird berichtet, dass ein Diener der Baronin den schweren Apparat hinterhertrug. Doch lange währte die Freude nicht.

Während des ersten Weltkrieges öffnete Helene von Reitzenstein ihre Villa für verletzte Offiziere. Als das riesige Gebäude wegen Kohlemangels nicht mehr zu heizen war, zog die Baronin in ein Hotel auf der Schwäbischen Alb. Das Haus verwaiste. Schließlich kaufte das Land Württemberg 1922 das stattliche Anwesen für die im Verhältnis lächerliche Summe - inflationsbedingt günstig für 5,5 Millionen Papiermark (rund 400.000 Goldmark) - geradezu ein Butterbrot, hatte der Bau doch ursprünglich die Summe von 2,8 Millionen Goldmark verschlungen.


Neue Funktion als Regierungssitz

Nach der Gründung der Weimarer Republik versuchte die württembergische Regierung das Reichsverwaltungsgericht nach Stuttgart zu holen und dort unterzubringen, dieses wurde allerdings Karlsruhe zugesprochen. So baute man die Villa um. Seit 1925 diente sie als Sitz des württembergischen Staatspräsidenten. Der erste Staatspräsident Wilhelm Bazille ist der bisher einzige Regierungschef, der dort nicht nur den Dienst- sondern auch seinen privaten Wohnsitz hatte. Ihm folgte 1928 Eugen Bolz, der in der Zeit des Nationalsozialismus abgesetzt und 1945 hingerichtet wurde. Danach war die Villa Reitzenstein zwölf Jahre Sitz der Stuttgarter NSDAP-Parteileitung.

Im Felsgestein unter dem Anwesen wurden kilometerlange Gänge zum Schutz vor Luftangriffen angelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Villa 1948 wieder Amtssitz des Regierungsoberhauptes. Vertrag zur Europäischen Gemeinschaft aufzunehmen.


Historisches Ambiente für Geschichte von heute

Die Nutzung des zweiflügeligen Baus hat sich inzwischen verändert. So war das Eckzimmer mit seinen wertvollen Intarsienarbeiten aus Holz und Perlmutt und dem Marmorkamin einst das Raucherzimmer. Intime Atmosphäre herrscht im Blauen Salon mit einem imposanten Muranoglas-Leuchter. Der Empfangssaal heißt trotz seiner ovalen Form Runder Saal. Hier verleiht der Ministerpräsident Bundesverdienstkreuze oder empfängt Staatsgäste. Hier standen unter anderen der Dalai Lama, George W. Bush oder Mutter Teresa. Im Gang ist eine Bildergalerie der baden-württembergischen Ministerpräsidenten zu sehen. Die Wände des großen Saals bieten einen grandiosen Blick auf die grün gerahmte Landeshauptstadt.

Im Gobelinsaal beherrschen wertvolle Wandteppiche mit den Abbildungen der vier Jahreszeiten den Raum Konzerte sind hier ebenso möglich wie Konferenzen und Essen. Die Ebene mit den Büros des Ministerpräsidenten und dem bewusst schlicht gehaltenen Kabinettssaal befinden sich in der ersten Etage des dreigeschossigen Gebäudes. Doch wo heute die Köpfe in Kabinettsitzungen rauchen, wurde bei Helene von Reitzenstein entspannt eine Runde Billard gespielt.

Weitere Informationen zum Tag der offenen Tür sowie einen virtuellen Rundgang durch die Villa Reitzenstein finden sich unter:

www.staatsministerium.baden-wuerttemberg.de/villareitzenstein/

www.stm.baden-wuerttemberg.de

Aus Sicherheits- und Denkmalschutzgründen können pro Stunde nur etwa 450 Personen eingelassen werden. Nach dem enormen Besucherandrang im vergangenen Jahr rechnen die Organisatoren auch in diesem Jahr wieder mit einer großen Resonanz. "Wir freuen uns über jeden interessierten Besucher, der die Villa Reitzenstein am Tag der offenen Tür besichtigen möchte", sagt Regierungschef Mappus. Das Staatsministerium weist darauf hin, dass längere Wartezeiten am Einlass nicht ausgeschlossen werden können. Geduld beim Einlass zahle sich jedoch aus. Ministerpräsident Mappus und Mitglieder der Landesregierung werden am Tag der offenen Tür teilnehmen.

Auch für die kleinen Bürgerinnen und Bürger gibt es jede Menge zu erleben: Sie können sich unter anderem auf einem Polizeimotorrad fotografieren und einen Kinderpolizeiausweis ausstellen lassen sowie an einem Kinderquiz oder an Malaktionen teilnehmen.

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