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Hier zeigt Stuttgart Zähne

Die Stuttgarter "Zacke" feiert ihr 125-jähriges Bestehen: einzige nicht touristisch genutzte Zahnradbahn in Deutschland
Stuttgart, 20.08.2009 | 

Die gerade Verbindung ist bekanntlich die kürzeste. In Stuttgart bedeutet dies, extreme Steigungen zu überwinden. Vom Marienplatz nach Degerloch klettert seit 1884 die Zahnradbahn, auch liebevoll "Zacke" genannt, auf der bis zu 18 Prozent steilen Strecke nach oben und überwindet dabei 205 Höhenmeter. Die Fahrgäste genießen derweil prächtige Panoramablicke auf Stuttgart. "Hinauf zu Sonne und Licht - mit der Zahnradbahn": Mit diesem Spruch warben die Stuttgarter Straßenbahnen in den 1930er Jahren für die Zacke. Sie ist auch unter dem Beinamen "Bahn zur schönen Aussicht" bekannt und Ex-Bundespräsident Theodor Heuss soll sie sogar als "pünktlichste, zuverlässigste und wohl auch schönste Nahverkehrsbahn der ganzen Welt" bezeichnet haben.

Radfahrer umgehen die Schnauferei den Berg hoch und laden ihren Drahtesel kostenlos auf den mitgeführten Fahrradwagen. Die Stuttgarter Zacke ist neben der Zugspitzbahn, der Wendelsteinbahn und der Drachenfelsbahn die vierte Zahnradstrecke bundesweit und vor allem die einzige Zahnradbahn Deutschlands, die nicht allein Touristen auf den Berg bringt, sondern im täglichen Berufsverkehr einer Großstadt ihren Dienst versieht.

Nach nur viermonatiger Bauzeit, dampften am 23. August 1884 die ersten schwere Zahnradloks nach dem Schweizer Rigi-Vorbild mit Tempo 12 vom Stuttgarter Talkessel hinauf auf die Fildern. Heute werden moderne Zahnradtriebwagen eingesetzt, die mit Tempo 30 die Steigung überwinden. Die beiden Dampfloks "Stuttgart" und "Degerloch" aus der Gründerzeit konnten bis zu zwei Wagen vor sich herschieben. 1904 wurde auf elektrischen Betrieb umgestellt und nur noch Passagiere, keine Güter mehr befördert. Heute fährt die Zacke mit vierachsigen Zahnradtriebwagen der Bauart ZT 4 (Baujahr 1982) und steht unter der Fittiche der SSB.

Betreiberin der Zahnradbahn bis 1920 war die neu gegründete Filderbahngesellschaft. Zu deren Hauptinitiatoren gehörten Emil Keßler junior, Direktor der Maschinenfabrik Esslingen, und Carl Kühner, Baustoffhändler aus Degerloch. Der geschäftstüchtige Emil Keßler wollte damals für den Bau lokaler Bahnen werben, denn der staatliche Bahnbau lag seit der Gründerzeitkrise von 1873 brach. Keßler erhoffte sich vor allem Folgeaufträge für seine Lokomotivfabrik. Darüber hinaus diente die Bahn nach Degerloch auch als Musterstrecke, um die Bergbahntechnik bekannt zu machen. Der Erfolg stellte sich bald ein. Die Esslinger Schienenfahrzeuge waren gefragte Exportprodukte.

Im Gegensatz zu anderen Gebirgs-Zahnradbahnen fuhr die Stuttgarter Zacke ganzjährig, denn hier ging es nicht allein darum, Touristen zu beglücken - auch Milchkannen und Briefe nahmen diesen Weg.Hans-Joachim Knupfer, der zum 125-Jahr-Jubiläum ein Buch über die Stuttgarter Zahnradbahn verfasst hat, ist sicher, "dass sich Degerloch nicht so schnell zu einem beliebten Wohnort entwickelt hätte, wenn es diese Bahn nicht gegeben hätte." Trotzdem waren die Fahrgastzahlen lange nicht berauschend, denn viele sparsame Degerlocher gingen weiterhin zu Fuß, und die Touristen alleine konnten die Bahn kaum finanzieren, obwohl Mitbegründer Carl Kühner in Degerloch eigens einen Aussichtsturm erbaute.

Obwohl ab 1904 elektrische Triebwagen auf der Strecke fuhren, wurden in den Notzeiten des ersten und zweiten Weltkriegs Dampfloks eingesetzt. Mitte der dreißiger Jahre saßen die Fahrgäste erstmals auf gepolsterten Sitzen. Um die Bahn noch attraktiver zu machen, opferte der damalige Straßenbahndirektor Paul Loercher 1935 sogar sein Wohnhaus und machte den Weg frei für die Verlängerung bis zum Marienplatz. Ursprünglich begann die Zahnradstrecke an der Filderstraße im Zahnradbahnhof, der heute noch als Bahndepot existiert und - neben der SSB-Fundstelle - das Theater "Rampe" beherbergt. Die Pläne für den Zahnradbahnhof kamen von Paul Bonatz, dem Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs.

Während des Wirtschaftswunders erlebte die Zacke ihre Glanzzeit. Bis zu 10.000 Menschen täglich ließen sich von ihr auf den Berg und hinab fahren und machten sie zur am dichtest befahrenen Strecke der SSB. Heute ist es noch gut ein Viertel, unter anderem, weil das übrige Nahverkehrsnetz deutlich ausgebaut wurde.

Am Wochenende des 22. August und 23. August steigt ein großes Jubiläumsfest am Marienplatz rund um die Zahnradbahn. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei und die Zahnradbahn fährt am Jubiläumswochenende kostenlos.

Die Geschichte der Stuttgarter Zahnradbahn ist im alten Zahnradbahnhof in der Filderstraße 45 dokumentiert. Eine Ausstellung zeigt an diesem Samstag von 14 bis 20 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr die Highlights aus 125 Jahren. Ab 14. September wird die Ausstellung dauerhaft zu sehen sein.

Das Buch zur Bahn

Die Bahn zur schönen Aussicht - Stuttgarts Zahnradbahn
242 Seiten, Querformat A 4, über 270 zum Teil farbige Abbildungen. ISBN 978-3-9811082-2-4

Der Autor
Hans-Joachim Knupfer, Jahrgang 1967, ist Mitarbeiter der Pressestelle der SSB. Von ihm stammen bereits die Bücher über die Stuttgarter Schienenseilbahn ("Hoch über Heslach", 2004) und Stuttgarts legendären Straßenbahnwagentyp GT 4 von 1959 ("Gelber Klassiker", 2006).

www.ssb-ag.de

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