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Jede Kugel ist eine neue Überraschung: 250 Millionen Jahre alte Murmeln

In Neidlingen, am Fuße der Schwäbischen Alb, steht Deutschlands letzte produzierende Kugelmühle
Neidlingen, 08.09.2010 | 

Hier klappert die Mühle am rauschenden Bach. In Neidlingen, in einem der äußersten Winkel der Region Stuttgart, werden allerdings keine Kugeln genutzt, um etwas zu mahlen. Hier werden in einer speziellen Mühle aus Steinen, die sich auf der Schwäbischen Alb finden, Kugeln hergestellt - einzigartige Murmeln, die gleichzeitig ein Stück Heimat verkörpern. "Eine Kugel ist die vollendetste, natürlichste und ursprünglichste aller Formen. Jede ist, wie auch der Mensch, einzigartig. Es gibt keine zwei, die sich gleichen", schwärmt Stefan Metzler. Auf diese Weise wurden schon zu Zeiten der Urgroßväter Kugeln und Murmeln hergestellt.

Der gelernte Agraringenieur betreibt die besondere Mühle seit fünf Jahren im Nebenberuf und beschäftigt mittlerweile sechs Leute, die ihm zur Hand gehen. Aufgebaut hat er die ganze Anlage, ohne Fördermittel in die Hand zu nehmen und könnte mittlerweile sogar davon leben, sagt er. "Es ist nicht nur ein Hobby", erklärt Metzler. "Mein Ziel war von Anfang an, auch kostendeckend zu arbeiten."

Die Grundlage der Kugelmühle ist ein auf dem Bachgrund fixierter Mühlstein, der sogenannte Genger. In ihm befinden sich kreisförmig eingefräste Rillen. Darin liegen die kleinen, grob geschnittenen Steinrohlinge. Darüber dreht sich ein hölzernes Mühlrad, der Läufer, der gegengleich dasselbe Rillenprofil aufweist. Das Wasser treibt ihn an und Runde für Runde werden die Murmeln geformt. Rund einen Tag lang dauert es, bis Wasser und Mühlrad die Murmeln fein geschliffen haben.

Dahinter steckte erst einmal viel Vorarbeit. Die gesamte Anlage ist eine Eigenanfertigung. "Gemeinsam mit meinem Vater habe ich lange getüftelt", erzählt Metzler. "Wir haben gerechnet, gezeichnet und probiert, denn jede Kugelmühle muss an die Fallhöhe des Wassers angepasst werden." Im Winter arbeitet die Kugelmühle am allerbesten. "Wenn es kalt ist, fließt das Wasser aufgrund der höheren Dichte am schnellsten", erläutert Metzler. Wenn es richtig eiskalt wird, friert das Mühlrad ein. Dann bietet die vereiste Mühle einen spektakulären Anblick. Bei längerem Frostwetter bilden sich geradezu märchenhafte Eisformationen. Im Winter und bei Regenwetter bittet Metzler seine Besucher gleich in die Werkstatt, um ihnen allerlei Wissenswertes über die Kugelmühle und ihre Produkte zu erzählen.

Die Kugelmühle, die im übrigen klimaneutral arbeitet, öffnet er an Sonn- und Feiertagen kostenlos für Besucher. Während einer Führung zeigt er, wie die Rohlinge für die Mühle hergestellt werden. "Dieses relativ aufwändige Verfahren haben wir durch technische Entwicklungen stark optimiert", erzählt Metzler. "Wir verarbeiten ausschließlich Heimatgesteine und können Kugeln anbieten, die bis auf ein Hundertstel Millimeter genau sind", versichert er.

In der Kugelmühle gibt es eine kleine Ausstellung über die Gesteine Württembergs und den daraus gefertigten Kugeln. Die handschmeichelnden Kugeln und Murmeln verkauft Stefan Metzler. Jedes Teil ist ein Unikat und die Kugeln aus Muschelkalk bis zu 250 Millionen Jahre alt. "Auf der Schwäbischen Alb gibt es in der obersten Schicht, dem Weißjura, kleine Vorkommen feinsten Marmors, der früher zu Bildhauerzwecken abgebaut und heute nur noch verschottert wird." Die aus diesem Jura-Marmor entstandenen Kugeln, zeichnen sich durch lebhafte Farben und Strukturen aus. Kugeln und Murmeln gibt es auch aus Schwarzjura, der ebenfalls lebhaft gemustert sein kann und wie der Muschelkalk teils mit Versteinerungen versehen ist. "Jede Kugel birgt eine neue Überraschung," freut sich Metzler.

www.kugelmuehle-neidlingen.de

Die Kugelmühle ist über das ganze Jahr sonntags und feiertags von 11:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Nur an den beiden Weihnachtsfeiertagen (25. und 26. Dezember) ist die Mühle geschlossen.

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