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Kafka-Briefe gerettet

Stuttgart, 07.04.2011 | 

Bei einer Versteigerung wären Kafkas berühmte Briefe an seine Schwester Ottilie - liebevoll Ottla genannt - wohl an einen vermögenden Privatsammler gegangen oder in alle Winde verstreut worden, um dann in der Versenkung zu verschwinden. Stattdessen haben sich das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Bodleian Library in Oxford zusammengetan und erwerben das Konvolut von 111 Briefen, Postkarten und Bildpostkarten gemeinsam.

Die Briefe an Ottla gelten als besonders wertvoll, weil der oft düster gestimmte Prager Kafka gibt in der Korrespondenz mit seiner Lieblingsschwester einen tiefen Einblick in sein Seelenleben. Hier zeigt sich der selbstquälerische Dichter von einer unbekannten Seite - warmherzig und humorvoll.

Oxford und Marbach haben sich zu diesem gemeinsamen Schritt entschlossen, um das einzigartige Kulturerbe vor der Zerstreuung zu bewahren und es für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich zu halten. "Mit dem Rückzug von der Auktion und dem gemeinsamen Erwerb ist sichergestellt, dass eines der umfangreichsten und wichtigsten Handschriftenkonvolute Kafkas geschlossen in öffentlichen Besitz gelangt und davor bewahrt bleibt, als Spekulationsobjekt in private Hand zu gelangen und später einzeln verkauft zu werden," zeigt sich der Leiter des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Ulrich Raulff, erleichtert.

Die Bodleian Library Oxford und das Deutsche Literaturarchiv Marbach verfügen weltweit gemeinsam über die meisten Handschriften Franz Kafkas und tragen die ungenannte Kaufsumme jeweils zur Hälfte. Der Schätzpreis des Konvoluts liegt bei rund 500.000 Euro. Durch diesen klugen Schachzug profitieren beide Seiten. So werden Handschriften künftig im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrt, dem größtem Archiv seiner Art in Deutschland und eines der renommiertesten weltweit.

Vereinbarungen mit der Bodleian Library sehen vor, dass die Briefe zu erleichterten Bedingungen nach England ausgeliehen werden. Ebenso ist eine gemeinsame wissenschaftliche Erschließung vorgesehen. Die Erben von Ottilie Kafka haben den beiden Institutionen zusätzlich zu den Briefen an Ottla 23 Briefe von Julie Kafka an ihre Kinder Franz und Ottla, 3 Briefe von Dora Diamant an Ottla sowie 9 Briefe von Robert Klopstock an Ottla übergeben. Finanziert wird die Erwerbung auf deutscher Seite aus Mitteln des Deutschen Literaturarchivs - dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Land Baden-Württemberg - sowie der Kulturstiftung der Länder und engagierter privater Stifter. Zu diesen gehören die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und das britische Verlagshaus Macmillan Publishers Ltd.

Dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und der Bodleian Library in Oxford, ist es in der Vergangenheit gelungen, die weltweit größten Kafka-Sammlungen zusammenzutragen: Die Bestände des DLA umfassen neben vielen anderen das Manuskript des Romans "Der Prozess" und Kafkas berühmten Brief an den Vater.

Die Bibliothek des Literaturarchivs führt derzeit über 860 Nachweise der Primärliteratur und mehr als 4300 Nachweise der Sekundärliteratur zu Franz Kafka in ihrem Online-Katalog. Daneben betreut das Deutsche Literaturarchiv einen großen, laufend gepflegten Bestand von Zeitungsausschnitten, literarischen Dokumenten, Theaterprogrammen sowie die kostbare Sammlung der Hélène Zylberberg mit Zeitungsausschnitten zu Kafka aus dem Zeitraum 1913-1972.

Eine Ausstellung der jetzt erworbenen Dokumente wird von Ende Mai an in Marbach und später in Oxford zu sehen sein.

www.dla-marbach.de

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