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Naiv, aber keineswegs harmlos

Die Sammlung von Charlotte Zander: Im barocken Schloß Bönnigheim befindet sich eines der weltweit bedeutendsten Museen naiver Kunst
22.01.2012 | 

Wer naiv ist, gilt im allgemeinen Sprachgebrauch als einfältig, harmlos oder gar töricht. Auch die Kunstrichtung, die diesen Namen trägt, wurde lange belächelt. Wenn heute von naiver Kunst gesprochen wird, ist dies keineswegs abwertend gemeint. In der Region Stuttgart findet sich ein Museum, dessen Zusammenstellung von Naiver Kunst und Art Brut weltweit als einzigartig gilt. Es ist die Sammlung Charlotte Zander, die im gleichnamigen Museum im beschaulichen Weinstädtchen Bönnigheim nördlich von Stuttgart beheimatet ist.

Kunst mit Phantasie und Vision

Die Naive Kunst fasst die künstlerischen Arbeiten von Autodidakten zusammen. Meistens sind es sogenannte Laienmaler, die keine akademische Kunstausbildung vorweisen können. Die Bildmotive sind einfach, phantasievoll und unbekümmert in der Darstellung. Zentralperspektive, Schattenwürfe und detailgetreue Ausbildung wie sie die klassische Kunst forderte, sind nicht das Maß der Dinge. Stattdessen ist das Dargestellte farbenfroh und vereinfacht abgebildet. Zum Teil werden kindlich anmutende und elementare Visionen geschildert.

Der erste Maler, dessen Kunst als naiv bezeichnet wurde, war Henri Rousseau (1844-1910), von Beruf Zöllner und malender Autodidakt. Viele Maler, die die Moderne mitbegründet haben, begeisterten sich für seine Bilder, die auf den ersten Blick sehr realistisch sind, auf den zweiten Blick aber viel mehr Tiefe und Möglichkeiten der Intrepretation bieten. Um 1900 erfuhr diese Kunstrichtung Anerkennung durch avantgardistische Künstler, die nach der Ursprünglichkeit in der Kunst suchten. Kandinsky sprach "von der großen Abstraktion und der großen Realistik: "Diese zwei Pole eröffnen zwei Wege, die schließlich zu einem Ziel führen." Um 1900 wurde Rousseau, "der Maler des heiligen Herzens" in Paris entdeckt. Wilhelm Uhle, ein deutscher Kunsthändler und Sammler, der ihn förderte, prägte auch den Begriff Naive Kunst.

Naive Kunst in barockem Ambiente

Seit 1996 sind die Werke aus der Sammlung in den eleganten, spätbarocken Räumen von Schloß Bönningheim zu sehen, wo das Museum Charlotte Zander eingerichtet wurde. Den Bau des Reichsgrafen Friedrich von Stadion (1756) hatte die Stadt Bönningheim 1995 gekauft, renoviert und aus denkmalpflegerischen Gründen als Museum eingerichtet, ohne selbst eine Sammlung zu besitzen. Bönnigheim kam zu der renommierten Sammlung wie die Jungfrau zum Kinde. Just zu dieser Zeit suchte die Münchner Galeristin und Sammlerin ein Domizil für die rund 4.000 Werke von über 300 Künstlern, die sie im Laufe von 50 Jahren zusammengetragen hatte.

Charlotte Zander, die 1997 mit dem ART COLOGNE-Preis geehrt wurde, sammelte neben zeitgenössischen Künstlern wie Joseph Beuys oder Otto Piene zunächst Naive Kunst. Schon früh begann sie sich für die Kunst von Außenseitern zu interessieren. Bereits Mitte der 60er Jahre, zu einer Zeit, als es den Begriff Art Brut zwar schon gab, die Kunst aber noch in keiner Weise etabliert war, kaufte sie Arbeiten dieser Kunstrichtung. Vertreten sind alle internationalen Naiven, darunter auch der Vorreiter der Bewegung Henri Rousseau.

Vierköpfige Schweine und blaue Giraffen

Einige Künstler sind nur mit zwei, drei Arbeiten vertreten, andere mit über hundert, Sava Sekulic sogar mit über eintausend Werken. Der besondere Reiz der Sammlung liegt darin, dass nicht nach großen Namen oder rein formalen Kriterien gekauft wurde. Immer ist die persönliche Leidenschaft der Sammlerin zu spüren.
Weiterhin findet die Sammlung eine Ergänzung durch Tattoo-Bilder, Votivgaben und Porträts des 19. Jahrhunderts, polnischer und jamaikanischer Skulpturen. Die ständige Ausstellung verteilt sich auf großzügig über 2.000 Quadratmeter in insgesamt 43 Sälen.

Die aktuelle Ausstellung konzentriert sich dabei auf dasTier in der naiven Kunst. Im Vordergrund steht die grenzüberschreitende Wahrnehmung und Phantasie der Künstler. Denn wo sonst gibt es vierköpfige Schweine, blaue Giraffen, Fischstädte, Stadtkraken, Vögel mit zwei Hundeköpfen, eine Sonnenfinsternis mit Vögeln und Fischen, einen Löwen mit Kalbsmaul? Tiere spielen in der Kunst der Autodidakten eine wichtige Rolle. Sie sind Partner von Sehnsucht, Traum, Phantasie und Humor.

Eine besondere Position nimmt der serbische Künstler Sava Sekulic (1902-1986) ein, der in einfachsten Verhältnissen und in enger Verbindung mit Tieren aufwuchs. Er malte und zeichnete Tiere oft im Zusammenhang mit bestimmten Eigenschaften, zum Beispiel den Esel als Symbol des harten Lebens, die Muttersau und ihren Wurf als Symbol für Mutterschaft, Schlangen als Verkörperung des Übels und Vögel als Träger von Schönheit. Darüber hinaus war Sekulic besessen von der geheimnisvollen Unterwasserwelt und dem Wasser als Wiege des Lebens.

sammlung-zander.de

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