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Ökologische Modernisierung der Wirtschaft als regionales Ziel

Thesen für den Weg der Region Stuttgart in Richtung einer nachhaltigen Wertschöpfung vorgestellt
07.10.2021 | 

Die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels und die Zerstörung der Ökosysteme werden nach heutigem Wissensstand sehr viel gravierender sein als die der Corona-Pandemie. Als Risiken sind hier vor allem die Unterbrechung von Lieferketten und die Zerstörung von Infrastruktur durch Extremwetterereignisse, schwindende natürliche Ressourcen, Hochwasser, hitzebedingt niedrige Wasserpegel und eine entsprechend teure Absicherung zu nennen. Hinzu kommen steigende CO2-Preise, so dass Produkte und Geschäftsmodelle mit hohen CO2-Emissionen perspektivisch einen immer größeren Wettbewerbsnachteil haben werden. Die Regionalversammlung hat bereits beschlossen, im Rahmen ihrer planerischen und innovationspolitischen Möglichkeiten auf eine kreislaufbasierte und CO2-neutrale Wertschöpfung hinzuwirken. Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) hat nun ausgehend vom regionalen Strategieprozess „RS Reloaded“ zur Begleitung des Strukturwandels zehn Thesen zur nachhaltigen Modernisierung der Wirtschaft vorgelegt. Diese Thesen und Zielsetzungen sollen als Leitlinien einer regionalpolitischen Willenserklärung dienen und wurden am Mittwoch im Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur und Verwaltung positiv diskutiert.

Die Kernbotschaft der Thesen lautet, dass sich die Region Stuttgart als Modellregion für ökologische Modernisierung positioniert und das Ziel des klimaneutralen und umweltkompatiblen Wirtschaftens verfolgt. Mit Veränderungsbereitschaft und Pioniergeist sollen Chancen genutzt werden, um Ökologie und Ökonomie miteinander in Einklang zu bringen. Dabei wird die ökologische Modernisierung als Innovationsmotor betrachtet – und als Voraussetzung dafür, dass die Region zukunfts- und wettbewerbsfähig bleibt und hochwertige Beschäftigung bietet. Zentral ist dabei das wirtschaftliche Prinzip, vom Ertrag zu leben, nicht von der Substanz. Bei allen wirtschaftlichen Aktivitäten sollen zudem nicht nur die ökologischen, sondern auch die sozialen Folgen betrachtet werden. Unter dem Strich soll die nachhaltige Transformation das Potenzial für eine ökologischere, leisere, saubere, gerechtere und smartere Wirtschaft und Gesellschaft entfalten. Regionale Netzwerke, insbesondere die Einbeziehung der Wissenschaft, und internationale Beziehungen unterstützen diesen Prozess.

„Wir haben die Chance, die erste Region zu sein, die sich unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Interessen zur Nachhaltigkeit bekennt,“ betonte WRS-Geschäftsführer Dr. Walter Rogg und verwies auf die Thesen als gute Grundlage dafür. Wenn man auf die vielen Kompetenzen der Region Stuttgart schaue, brauche es einem nicht bange sein, so Rogg. Wichtig dabei sei es, „sich auf die Grundbedürfnisse der Menschen in den nächsten 20 bis 30 Jahren einzustellen.“ Für die erste Jahreshälfte 2022 ist zunächst ein regionaler Nachhaltigkeitskongress geplant. Vorbehaltlich des Beschlusses im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen werden der WRS 119.000 Euro zur Verfügung gestellt, um die regionale Nachhaltigkeitsstrategie weiterzuentwickeln, insbesondere im Hinblick auf Kreislaufwirtschaft und der effizienten Nutzung von biologischen Ressourcen.

Stimmen der Fraktionen

Für Andreas Koch (CDU/ÖDP) bietet die Nachhaltigkeit viele Chancen: „Wir finden die Thesen richtig und wir sind überzeugt davon, dass die Strategie die richtige ist.“ Seine Fraktion glaube, dass die regionale Wirtschaft mit ihrem Erfindergeist und ihrer Innovationskraft sehr gute Voraussetzungen habe und die Region so an der Spitze der Nachhaltigkeitsbewegung sein könne.

Heike Schiller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) erklärte. „Mit dem Vorgehen zeigen wir, dass wir hier in der Region gemeinsam verstanden haben und dass die Regionalversammlung den Wandel mitgestaltet und aktiv für den Wandel einsteht.“ Die Regionalversammlung gebe der WRS die Aufgabe an die Hand, die Thesen mit Inhalt und Leben zu füllen. Dabei sei es die große Aufgabe, die Zweifler mitzunehmen und die Veränderungen gesellschaftlich verträglich zu gestalten,

„Das Ziel ist aufgezeigt, aber noch nicht der Weg“, merkte Andreas Hesky (Freie Wähler) an. Über den richtigen Weg werde man noch streiten müssen. Er nannte insbesondere die Ausweisung neuer Gewerbegebiete und die Fachkräftegewinnung als kritische Themen, aber immerhin brauche man keine Koalitionsverhandlungen. Hesky betonte zudem: „Wir müssen diejenigen überzeugen, die tagtäglich Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.“          

Dr. Jürgen Zieger (SPD) wollte die Ansätze nicht ideologisiert oder politisch überhöht wissen. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetzt des Bundes habe den Auftrag klar vorgegeben. „Klimaneutralität ist nicht nur ein ökologisches Ziel. Der Verzicht auf Emissionen aus dem Verbrauch fossiler Energieträger ist auch ökonomisch geboten“, betonte Zieger. Nun gelte es, Wege zu finden, wie man Dekarbonisierung und Klimaneutralität regional umsetzen könne.

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