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Pünktlichkeit, Fahrgastzahlen und -bewertung der S-Bahn in 2021

Die S-Bahn zeichnet 2021 eine stabile Pünktlichkeit bei gleichzeitiger Ausweitung der Kapazität aus – trotz der Beeinträchtigungen durch die COVID-19-Pandemie
07.04.2022 | 

Der Betrieb der S-Bahn Stuttgart war auch im Jahr 2021 massiv geprägt durch die COVID-19-Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen quer durch alle Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche. Hinzu kamen die Sperrung der Stammstrecke für dringend notwendige Modernisierungsarbeiten sowie die Folgen des Streiks im Bahnverkehr jeweils während des Sommers. Entsprechend sind Pünktlichkeit und Qualität wie schon im Jahr 2020 schwierig mit der Entwicklung in den vorherigen Jahren zu vergleichen. Die Zahlen des vergangenen Jahres wurden in der Sitzung des Verkehrsausschusses am Mittwoch präsentiert.

Neben den Fahrgastzahlen und den Pünktlichkeitswerten wurden zudem die Qualitätsbewertungen der Fahrgäste vorgestellt. Hier können S-Bahn und Verband Region Stuttgart auf Verbesserungen in vielen Bereichen blicken.

Entwicklung Fahrgastzahlen, Zugkilometer und Pünktlichkeit

Lockdown, zahlreiche gesetzliche Änderungen, Home-Office-Pflicht: Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie haben sich 2021 vor allem zu Beginn des Jahres erneut auf die Fahrgastzahlen niedergeschlagen. Im Vergleich zum Vorjahr (78,5 Millionen) ist die Anzahl nochmals um 11,5 Prozent auf 69,5 Millionen Fahrgäste zurückgegangen. Neben den Auswirkungen der Pandemie war auch die Stammstreckensperrung von Ende Juli bis Mitte September mit ihren unvorhersehbaren Schwierigkeiten auf der Ausweichstrecke Panoramabahn sowie weitere Fahrplaneinschränkungen aufgrund des Bahnstreiks der Lokführergewerkschaft GDL für den Rückgang verantwortlich.

„Trotz der besonderen Herausforderungen auch für unsere Mitarbeitenden haben wir im vergangenen Jahr unsere Betriebsleistung nochmals um zwei Prozent gesteigert“, so Dr. Dirk Rothenstein, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Stuttgart. Die Summe der Zugkilometer stieg im Vergleich zum Vorjahr von 11.227.594 auf 11.457.610.

Die Gesamtpünktlichkeitswerte sind im Vergleich zum letzten Jahr bei Verspätungen unter sechs Minuten mit 97,0 Prozent (2020 97,3 Prozent) stabil geblieben und bewegen sich bei den Verspätungen unter drei Minuten mit 89,6 Prozent (2020: 90,7 Prozent) in der Nähe des letztjährigen Niveaus. Gleiches gilt für die Hauptverkehrszeit: 95,8 Prozent (2020 96,1 Prozent) der Züge waren weniger als sechs Minuten verspätet und 85,3 Prozent (2020: 85,8 Prozent) weniger als drei Minuten.

„Diese Werte muss man immer auch im Zusammenhang mit dem starken Ausbau der Kapazitäten sehen. Wir haben dieses Jahr wieder mehr Züge auf die Strecke gebracht“, so Dr. Jürgen Wurmthaler, Leitender Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur beim Verband Region Stuttgart. In Zahlen bedeutet dies: Statt bislang 897 Zügen sind 2021 montags bis freitags täglich 940 Züge gefahren, was einer Steigerung von fünf Prozent und einer Erhöhung von über 20.000 Sitzplätzen pro Tag entspricht.

Sicherheit, Sauberkeit und Fahrgastinformation

„Wir wollen mit der S-Bahn das Herzstück des öffentlichen Verkehrs hier in der Region sein. Deshalb freuen wir uns, dass der Zuspruch unserer Fahrgäste nahezu in allen Bereichen gestiegen ist“, so Rothenstein.  Die Fahrgastnote bei der Pünktlichkeit konnte von 2,8 im Vorjahr auf 2,7 gesteigert werden. Signifikante Verbesserungen gibt es auch bei der Fahrgastinformation. Diese wurde im Regelfall von den Fahrgästen mit einer 2,0 (Vorjahr 2,3) bewertet, bei Verspätungen mit 2,7 (Vorjahr 3,0). Bei der Sicherheit und Sauberkeit der S-Bahn wurden die guten Werte von 2,0 (Sicherheit) und 2,4 (Sauberkeit) aus dem letzten Jahr bestätigt.

Ausblick

„Nun gilt es daran anzuknüpfen und den Kapazitätsausbau weiter voranzutreiben, um möglichst viele Fahrgäste zurückzugewinnen und auch neue Fahrgäste zu überzeugen“, sagte Wurmthaler in der Sitzung des Verkehrsausschusses. „Mit der verstärkten Langzugbildung, der zweiten Ausbaustufe des 15-Minuten-Takts am Samstag sowie der S62 sind wir hier auf einem guten Weg.“

Ein Baustein ist hierzu auch der Digitale Knoten Stuttgart. „Die Digitalisierung ermöglicht uns, auf den dichtbefahrenen Strecken in Stuttgart das Fahrplanangebot auszuweiten und betriebliche Abläufe für bessere Qualität zu optimieren“, so Rothenstein. „Diese Herausforderung müssen wir für die Mobilitätswende und für den Klimaschutz annehmen – auch wenn damit wie in diesem Jahr für die Fahrgäste und die Verkehrsunternehmen wieder eine Sperrung der Stammstrecke verbunden ist.“

Stimmen aus den Fraktionen

„Wir haben sehr viel investiert und können stolz auf unsere S-Bahn sein“, äußerte sich Elke Kreiser (CDU/ÖDP), „Die Investitionen haben sich bis 2019 auch in den Nutzerzahlen wiedergespiegelt.“ Die Pandemie sei dann ein herber Rückschlag gewesen: „Aber wir sind immer noch auf dem richtigen Weg, auch wenn die Pünktlichkeitswerte noch nicht so sind, wie wir sie uns wünschen“, sagte Kreiser. Sie freue sich aber über die positive Wahrnehmung durch die Fahrgäste, auch beim Thema Sicherheit. Diese Wahrnehmung teile man allerdings nur tagsüber, nicht aber in den Abendstunden und bei Nacht, vor allem an Bahnhöfen und im Bahnhofsumfeld. „Da müssen wir dranbleiben“, so Kreiser. Wichtig sei das Sicherheitsgefühl auch beim Thema Corona. Kreiser lobte in diesem Zusammenhang, dass die S-Bahn auch weiterhin das Tragen einer FFP2-Maske empfiehlt.

Laut Michael Lateier (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) hat die S-Bahn gerade mit dem Ausbau des 15-Minuten-Taktes Einiges geleistet. „Den Zielwert bei der Pünktlichkeit haben wir aber leider nicht erreicht“, so Lateier. „Wir befinden uns auf einem guten Weg, was die Werte angeht, allerdings hängt dies mit den niedrigen Fahrgastzahlen zusammen.“ Auch bei der Fahrgastinformation in Störfällen sei noch viel Luft nach oben. Viele weitere Probleme stünden zwar nicht unter der Verantwortung der S-Bahn Stuttgart, für den Fahrgast spiele dies aber nur eine untergeordnete Rolle. Sehr positiv nahm Lateier zur Kenntnis, dass das zentrale Öffnen der Türen, das während der Pandemie eingeführt wurde, beibehalten werden soll.

Bernhard Maier (Freie Wähler) erinnerte an Zeiten, als bei der Vorstellung der S-Bahn-Jahreszahlen noch die Formulierung die Runde machte: „Die S-Bahn ist am Limit.“ Seither habe man viel gemacht, Kapazitäten ausgebaut und viele Verbesserungen erzielen können. „Dadurch ist natürlich auch die Anforderung an die Qualität gestiegen“, sagt Maier. „Trotzdem verbessert sie sich. Die Maßnahmen zeigen Wirkung.“ Er bedauerte allerdings, dass man gerade beim Kriterium Pünktlichkeit, das an vorderster Front steht, stagniert. „Dies darf nicht nur Routine werden.“

„Im Ergebnis ist es uns nicht gelungen, die Pünktlichkeitswerte zu erreichen“, kritisierte Michael Makurath (SPD). Es sei noch viel Luft nach oben, vor allem auf Grund der geringeren Fahrgastzahlen. Zudem stellte er die subjektiven Zufriedenheitswerte in Frage, da diese eventuell gerade mit dem vermehrten Platz in den S-Bahnen zusammenhängen könnten. „Das Jahr 2022 wird schwieriger, wenn die Menschen wieder stärker auf die S-Bahn zurückgreifen.“ Dies werde zu einer großen Herausforderung für die Mitarbeiter der S-Bahn.

„Wir haben aus manch schwieriger Situation das beste gemacht“, sagte Gabriele Heise (FDP). „Trotzdem bleibt die Pünktlichkeit ein neuralgischer Punkt.“ Man habe wegen der niedrigen Fahrgastzahlen auf bessere Werte gehofft. „Denn wir wissen alle, es wird wieder schwieriger, wenn wieder mehr Menschen die S-Bahn nutzen.“ Natürlich freue man sich auch über eine bessere subjektive Bewertung durch die Fahrgäste, aber das könne auch damit zusammenhängen, dass weniger Fahrgäste unterwegs sind und die Leute mehr Platz haben.

Auch Wolfgang Hoepfner (DIE LINKE/PIRAT) freut sich über die positivere subjektive Wahrnehmung der S-Bahn. „Dies hilft sicherlich bei der Wiedergewinnung von Fahrgästen“, so Hoepfner. Die Stärkung des ÖPNV bleibe in Bezug auf Klimaziele alternativlos. „Aber das Thema Pünktlichkeit ist weiter nicht befriedigend“, so Hoepfner. „Hier müssen wir kritisch hinterfragen: Woran liegt das?“ Ebenfalls Verbesserungsbedarf sieht Hoepfner bei der Fahrgastinfo vor allem in den Außenbereichen, was Anschlüsse angeht.

Detaillierte Zahlen und Darstellungen finden Sie im „Jahresbericht 2021“ von Verband Region Stuttgart und S-Bahn Stuttgart unter www.region-stuttgart.org/sbahn.

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