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Pünktlichkeitswerte und Fahrgastbewertung der S-Bahn für 2019 vorgestellt

2019 erneuter Fahrgastrekord. Beurteilung der Sicherheit und Sauberkeit weiterhin positiv. Pünktlichkeit und Fahrgastinformation bleiben verbesserungswürdig.
20.02.2020 | 

 Die S-Bahn in der Region Stuttgart hat in ihrer 40-jährigen Geschichte noch nie so viele Menschen befördert wie im Jahr 2019. An Werktagen nutzten rund 435.000 Personen die S-Bahn. Betrachtet auf das Jahr sind es fast 132,5 Millionen Personen, was einem Zuwachs von über 1,5 Millionen Fahrgästen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieses Ergebnis wurde heute im Zuge des Berichts zur S-Bahnqualität dem regionalen Verkehrsausschuss präsentiert. Neben steigenden Fahrgastzahlen wurden unterschiedliche Aspekte der Qualitätsbewertung thematisiert. Während sich die Sicherheit und Sauberkeit der S-Bahn im Vergleich zum Vorjahr verbessert haben (Fahrgastnote 2,0 und 2,3) hält sich die Fahrgastinformation konstant bei der Schulnote 2,5. Bei der Pünktlichkeit besteht Verbesserungsbedarf.

Entwicklung der Pünktlichkeit

Die Gesamtpünktlichkeitswerte bei Verspätungen unter sechs Minuten sind im Vergleich zum Vorjahr von 96,1 Prozent auf 95,3 Prozent zurückgegangen. Somit waren von 100 S-Bahnen weniger als fünf Züge mehr als sechs Minuten verspätet. In der Hauptverkehrszeit waren es 2018 noch 93,8 Prozent, im Jahr 2019 ist der Wert auf 92,9 Prozent gesunken. Betrachtet man Verspätungen unter drei Minuten so liegt der Pünktlichkeitswert bei 84,4 Prozent (2018 - 86,8 Prozent). In der Hauptverkehrszeit waren 75,8 Prozent der Züge weniger als drei Minuten verspätet, während es 2018 noch 78,4 Prozent waren.

Die Hintergründe hierfür sind vielfältig. Insbesondere die Kapazität der Infrastruktur und der deutlich gestiegene Mischverkehr im Schienenknoten Stuttgart sind wesentlicher Knackpunkt. Rund 60 Prozent der Verspätungsminuten sind auf Zugfolgeverspätungen und somit auf die Unpünktlichkeit von anderen Zügen zurückzuführen. Obwohl die S-Bahn das pünktlichste Eisenbahnverkehrsunternehmen im Schienenknoten Stuttgart ist, wird sie häufig durch andere Züge aus ihrer eigenen Trasse verdrängt.

Dispositionsvereinbarungen für bestimmte Abschnitte mit allen beteiligten Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen könnten hier Abhilfe schaffen, weshalb der Verband Region Stuttgart mit DB Regio und weiteren Beteiligten bereits daran arbeitet.

Perspektivische Verbesserungen

Eine signifikante Verbesserung der Pünktlichkeit ist mit Einführung des Zugbeeinflussungssystem (ETCS European Train Control System) zu erwarten.  Stuttgart wird die erste Metropolregion, in der das für den Hochgeschwindigkeitsverkehr entwickelte System eingesetzt und erprobt wird. Für die Fahrgäste wird es ab Dezember durch den ganztägigen Viertelstundentakt weitere Verbesserungen geben. Ende 2021 werden mit der Auslieferung weiterer 58 Züge zusätzliche Kapazitäten in der Hauptverkehrszeit und für weitere Verkehre entstehen.

Sicherheit, Sauberkeit und Fahrgastinformation

Positive Entwicklungen sind in Bezug auf die Sicherheit und Sauberkeit der S-Bahn festzustellen, die sich in der Fahrgastbewertung leicht verbessert haben
(Fahrgastnote 2,0 und 2,3). Die Fahrgastinformation im Regelfall bewerten die Fahrgäste wie im Vorjahr mit der Schulnote 2,5. Für die kommenden Jahre ist zunehmend mit Baumaßnahmen zu rechnen, weshalb der Verband Region Stuttgart von DB Regio fordert, auf die Fahrgastinformation – insbesondere auch bei Störungsfällen - ein besonderes Augenmerk zu legen. „Um den Ansprüchen der Kunden an die Fahrgastinformation gerecht zu werden, wird die DB allein in der Region Stuttgart rund 25 Millionen Euro investieren“, erklärte Dr. Dirk Rothenstein, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn Stuttgart.

Die S-Bahn in der Region Stuttgart bleibt noch immer pünktlicher als vergleichbare S-Bahnnetze im süddeutschen Raum, liegt aber unter den vereinbarten Zielvorgaben des Verbands Region Stuttgart und der DB Regio. Für die DB Regio resultieren aus der Unpünktlichkeit Strafzahlungen in Höhe von 1,17 Mio. Euro. Bei der Ermittlung der Strafzahlungen fließen unterschiedliche Qualitätskriterien ein, die sich mitunter – wie bspw. die Funktionsfähigkeit der Fahrkartenautomaten – erheblich verbessert haben.

Diskussion

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge sah Rainer Ganske (CDU/ÖDP) den Bericht zur S-Bahnqualität. Einerseits würden die jahrelang geforderten Investitionen in die Infrastruktur kommen, andererseits verursachten die resultierenden Baustellen Verschlechterungen der Pünktlichkeit. „Durch die Einführung von ETCS, Angebots- und Taktausweitungen sehen wir aber Licht am Ende des Tunnels“, konstatierte Ganske, und betonte den Antrag seiner Fraktion den 15-Minuten-Takt auf das Wochenende auszuweiten. Michael Lateier (Grüne) bemängelte die Kommunikation im Störungsfall, wo nicht nur die DB, sondern auch der VVS nachbessern müssten. Die Fahrgastzuwächse seien „erfreulich, gewollt und gemusst“, weshalb aber die Infrastruktur weiter verbessert werden müsste. „Das wird eine große Herausforderung für die Zukunft“, betonte Lateier. „Wir sehen, dass die DB sich Mühe gibt und diese Mühe tragen wir gemeinsam“, resümierte Bernhard Maier (Freie Wähler). Deswegen nehme man alle Mittel in die Hand, um die S-Bahn vor allem durch Angebote zu verbessern.

„Mit dieser Bilanz werden wir das Image der S-Bahn nicht verbessern“, konstatierte Jasmina Hostert (SPD). Sie hoffe aber, dass durch die Einführung des 15-Minuten-Takts und zusätzliche Züge die Qualität insgesamt verbessert werde.

Holger Dorn (AfD) lobte, dass die Aspekte, die in der alleinigen Verantwortung der DB lägen verbessert werden konnten, dennoch bleibe die Bilanz durchwachsen.

Hans Dieter Scherer (FDP) betonte, dass die gesetzten Ziele nur durch eine zweite Stammstrecke erreicht werden könnten. Langfristig käme man um diese nicht herum. Michael Knödler (DIE LINKE/PIRAT) bezeichnete das zurückliegende Jahr mit den vielen Baustellen als „Katastrophenjahr“.

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