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Raumfahrtspezialisten aus dem schwäbischen Wald

Die Tesat-Spacecom GmbH & Co. KG aus Backnang beliefert die halbe Welt mit Bauteilen für Satellitentechnik
Backnang, 20.10.2010 | 

Mit dem russischen Sputnik fing 1957 alles an. Er läutete die Ära der Satelliten ein. Sie sind aus unserem Alltag und aus der Wissenschaft nicht mehr wegzudenken. Die hochtechnisierten Flugobjekte, von denen rund 18 500 um die Erde und im All kreisen, vermitteln Telefongespräche, weisen per GPS den richtigen Weg oder schicken uns die Lieblingssendung ins Wohnzimmer. Sie sind als Wetterfrösche im Einsatz, beobachten Vogelzüge, erkunden Land und Meer und spähen ins All - auf der Suche nach unbekannten Planeten und neuen Nachbarn.

Aus der Region Stuttgart stammt die Hälfte aller Wanderfeldröhrenverstärker, die weltweit in Kommunikationssatelliten eingebaut werden. Sie sind das Herzstück eines jeden Satelliten, der mittels Hochfrequenzsignalen Daten in rasender Geschwindigkeit übermittelt. Die Tesat-Spacecom GmbH & Co. KG aus Backnang ist Weltmarktführer in diesem Sektor. Sie fertigt, entwickelt, montiert und testet jährlich rund 800 Wanderfeldröhrenverstärker, die neben den anderen Tesat-Produkten, teilweise gleich in ebenfalls vor Ort erstellte Sub- und Komplett-Systeme integriert werden. Bei Tesat-Spacecom greifen Produkt-Know-how und modernste Test-Anlagen effizient ineinander.

Die Simulation von Weltraumbedingungen - also Temperatur, Vakuum und Vibration - erfolgt auf über 3000 Quadratmetern Reinraumfläche in mehr als 50 Thermo-Vakuum Kammern. Damit gehört Tesat zu einem der bestausgerüsteten Hochtechnologie-Unternehmen im Raumfahrtsegment weltweit.


Herzstücke für Satelliten

Seit mehr als 40 Jahren entwickelt und fertigt Tesat ein Produktspektrum, das für Kommunikationssatelliten notwenig ist, vom Wanderfeldröhrenverstärker (TWTAs) für alle gängigen Frequenzen, ebenso wie Multiplexer, Schalter, Kanalverstärker, Filter und Modulatoren, die an alle führenden Satellitenhersteller weltweit geliefert werden. Damit bietet Tesat die gesamte Kommunikationstechnik, die notwendig ist, um beispielsweise Fernsehprogramme über Satelliten in jeden Haushalt zu bringen. Mehr als die Hälfte aller Telekommunikations-Satelliten im Orbit haben Tesat-Geräte an Bord. Nach Aussagen von Geschäftsführer Peter Schlote befinden sich derzeit mehr als 5000 Geräte mit mehr als 200 Millionen Betriebsstunden von Tesat im Orbit.

Die Geschichte des Unternehmens ist wechselvoll, doch mit Nachrichtenübertragung hatte das Unternehmen von Beginn an zu tun. Die Wurzeln von Tesat-Spacecom liegen in der 1949 als AEG Fernmeldetechnik begründet, die 1955 in der Gesellschaft AEG-Telefunken aufging, 1983-1995 unter dem Namen ANT Nachrichtentechnik firmierte, dann als Bosch Telecom und bis 2001 als Bosch Satcom. Seitdem gehört Tesat-Spacecom zum EADS-Konzern - ein Luft-und Raumfahrtunternehmen, unter deren Fittiche Airbus steht.

Über vier Jahrzehnte Erfahrung kann Tesat-Spacecom im Auf- und Ausbau der Kompetenzen auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik vorweisen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mit rund 1000 Mitarbeitern rund 175 Millionen Umsatz erwirtschaftet. Vor Ort ist Tesat-Spacecom der größte Arbeitgeber. Seit 2005 hat Tesat 350 neue Mitarbeiter hinzugewonnen. Bis Ende des Jahres soll die Mitarbeiterzahl auf 1200 ansteigen.

In den nächsten Monaten investiert Tesat acht Millionen Euro in Gebäude und Infrastruktur. Das Unternehmen ist glänzend aufgestellt, bestätigt Geschäftsführer Peter Schlote. "Vom Krisenjahr 2009 haben wir ehrlich gesagt nichts gespürt. Im Gegenteil, wir wachsen nach wie vor, erweitern unser Portfolio und stellen neue Mitarbeiter ein. Der Blick in die derzeitigen Auftragsbücher verspricht, dass wir diese Position halten und sogar ausbauen können."


Riesige Reichweiten mit Lasertechnik

Eine weitere Spezialität von Tesat sind Geräte für die optische Breitbandkommunikation im All, sogenannte Laser Communication Terminals (LCT). Als weltweit erstes Unternehmen entwickelt das Backnanger Unternehmen seit 1997 diese Geräte für seine Kunden. Seit 2007 sind die ersten LCTs auf Satelliten erfolgreich im All unterwegs. Diese Terminals ermöglichen Punkt-zu-Punkt-Datenverbindungen mit extrem hohem Datenvolumen. Mit einer Reichweite von 45.000 km und Übertragungsraten und mehr als 5 Gigabit pro Sekunde ist diese Technologie revolutionär und die Kommunikation via Laser 10-mal schneller als bisher mit Radiowellen. Diese Datenübertragungsrate über eine Entfernung von 5000 km ist weltweiter Rekord, vermeldet das Unternehmen. "Mit den Laser Communication Terminals ist Tesat-Spacecom internationaler Technologieführer. Die Vorteile der Laserkommunikation sind beispielweise die unübertroffenen Übertragungsraten von bis zu 200 000 Din A4 Seiten pro Sekunde und deren Störunempfindlichkeit", erläutert Schlote.

Bei der diesjährigen ILA (International Aerospace Exhibition) präsentierte Tesat-Spacecom in Berlin die Weiterentwicklung der Leistungsverstärker mit einstellbarer Sendeleistung im All per Telecommand. Geschäftsführer Peter Schlote: "Die Vorteile für Satellitenbetreiber liegen klar auf der Hand. Da mehr operationelle Kanäle mit geringerer Ausgangsleistung verfügbar sind, können mehr Kunden bedient und für den Betreiber mehr Umsatz generiert werden." Weiterhin stellte Tesat den TT&C Transponder vor, der ab 2012 die Galileo-Satelliten des europäischen Satellitennavigationsystems sozusagen "fernsteuern" wird. Der Tesat-TT&C Transponder transportiert die Daten zur Satellitensteuerung und -kontrolle und ist damit die Schnittstelle für die Kommunikation zwischen Erde und Satellit.


Perfekte Verzahnung von Forschung und Hochschulen

Der Erfolg von Tesat Spacecom ist kein Einzelfall. Im zukunftsträchtigen Sektor Luft- und Raumfahrt nehmen die Region Stuttgart und Baden-Württemberg mit 3500 Beschäftigten bundesweit den Spitzenplatz ein. Allein 25 Prozent der Luft- und Raumfahrtunternehmen Baden-Württembergs haben ihren Sitz in der Region Stuttgart. Dabei können die Luft- und Raumfahrtunternehmen auf eine ausgezeichnete Forschungsinfrastruktur zurückgreifen. An keiner anderen Universität in Deutschland werden mehr Diplomingenieure der Luft- und Raumfahrttechnik ausgebildet als in Stuttgart. Die Luft- und Raumfahrtfakultät der Universität Stuttgart ist die größte ihrer Art im Bundesgebiet. Somit ist in Land und Region eine einzigartige Kombination von Universitäten und Hochschulen, Forschung und führenden Raumfahrt-Unternehmen und Zulieferern miteinander verzahnt.

Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist eine technologische Leitbranche par excellence und zeichnet sich durch eine überdurchschnittliche Forschungs- und Entwicklungsdynamik aus. Sie entfaltet ihre Wirkung auch als Schrittmacher für Spitzentechnologie und übt eine nicht zu unterschätzende Multiplikatorwirkung auf viele andere Branchen aus. "In Baden-Württemberg hat sich eine vielseitige Zuliefererindustrie mit einem dichten Spektrum an spezialisierten großen und mittelständischen Unternehmen in sämtlichen relevanten Technik- und Technologiefeldern wie der Werkstoffentwicklung, Mikroelektronik, Kommunikations- und Messtechnik sowie spezielle Fertigungstechniken entwickelt", so Dr. Rolf-Jürgen Ahlers, Vorsitzender des Forums Luft- und Raumfahrt.

Rund 60 Firmen, das sind knapp ein Drittel aller in Deutschland vertretenen Unternehmen, die durch ihren Unternehmensschwerpunkt der Luft- und Raumfahrzeugbau-Branche zuzurechnen sind, haben in Baden-Württemberg ihren Standort. Unterstützung erfährt die Branche durch das Forum Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg e.V., das seit 2005 das Luft- und Raumfahrt-Netzwerk in Baden-Württemberg bildet. 2009 ging die Clusterinitative FAN an den Start. Das Future Aerospace Network, dem die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart angehört, hat sich zum Ziel gesetzt, die Metropolregion Stuttgart und das Land Baden-Württemberg noch stärker als europaweit bedeutsamen Luft- und Raumfahrtstandort zu positionieren und die Wettbewerbsfähigkeit der hier ansässigen Luft- und Raumfahrtunternehmen zu steigern.

www.tesat.de

www.fan-bw.de

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