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Region informiert über Stand der Angebotsverbesserungen bei der S-Bahn

Konkretisierungen und Planungen für acht Maßnahmen mit über 100 Millionen Euro Gesamtinvestitionsvolumen. Ziel der Maßnahmen sind die Steigerung der Qualität der S-Bahn, die Ausweitung des Angebots sowie die Verbesserung der Barrierefreiheit.
20.01.2022 | 

Das Angebot der S-Bahn in der Region wird kontinuierlich ausgebaut und verbessert. Das hat der regionale Verkehrsausschuss bereits 2020 beschlossen. Hierzu sind Erweiterungen und Anpassungen der Infrastruktur nötig. Über den Stand der Planungen der sogenannten QSS Maßnahmen (Qualitätsoffensive für den Schienenknoten Stuttgart) wurde gestern im Ausschuss informiert. Konkret handelt es sich um acht Maßnahmen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 100 Millionen Euro.

Angebot auf der S6 wird durch S62 ergänzt

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember letzten Jahres verkehrt die S62 als zusätzliches Angebot zwischen Weil der Stadt und Zuffenhausen. Damit diese Linie zukünftig bis Feuerbach weitergeführt werden kann, muss dort ein neuer Bahnsteig gebaut werden. Dazu wird der heute an Gleis 130 in Feuerbach bereits vorhandene Bahnsteig erhöht und verlängert. Zudem erhält das Gleis eine Oberleitung und wird durch weitere Weichen besser auch in Richtung Kornwestheim angebunden. Für die Bahnsteigmaßnahme wird für Mitte 2022 die Entwurfsplanung erwartet, die Umsetzung soll gemeinsam mit der Ausrüstung der Oberleitung bis Ende 2025 erfolgen. Der Einbau der zusätzlichen Weichen erfolgt erst nach Inbetriebnahme von S21. Danach ist beabsichtigt den bisherigen Vorlaufbetreib anzupassen und weitere Halte anzusteuern. Ab September 2022 soll die S62 als zusätzliches Angebot zwischen Weil der Stadt und Zuffenhausen verkehren.

S-Bahn nach Nürtingen

Damit die S1 von Plochingen künftig bis nach Nürtingen fahren kann, sind Anpassungen an den Bahnsteigen in Wendligen, Oberboihingen und Nürtingen erforderlich. Für den Ausbau der Bahnsteige in Wendlingen und Oberboihingen sind die planerischen Randbedingungen unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit festgelegt. So werden die Bahnsteige verlängert und im Bereich der ersten S-Bahntüren erhöht, sodass die Bahnsteige sowohl von der S-Bahn als auch von den Landeszügen genutzt werden können. In Nürtingen soll ein neuer Bahnsteig gebaut sowie die Tälesbahn ebenfalls an den neuen Bahnsteig verlegt werden. Die ersten Planungsphasen zeigen diese Lösung als praktikabel an. Hierzu muss noch die Finanzierung mit dem Land geklärt werden. Nach Inbetriebnahme von S21 entsteht so gemeinsam mit dem Regionalverkehr ein Ringschluss ins Neckartal.

Weitere Linien aus dem Norden bis Vaihingen/Böblingen und Ehningen sowie Verbesserungen an der Stammstrecke

Die geplante Durchbindung von S-Bahn Linien aus dem Nordast bis Vaihingen und weiter bis Böblingen und Ehningen macht die S-Bahn für viele Nutzer deutlich attraktiver. Dafür werden verschiedene Infrastrukturergänzungen vorgesehen, die auch im Störungsfall wichtig sind. Auf dem Abschnitt Schwabstraße/Österfeld sind zwei zusätzliche Weichenverbindungen zur flexiblen Betriebsführung geplant. Die Vorplanung wurde fertiggestellt. Die Umsetzung soll während der geplanten Stammstreckensperrungen stattfinden. Deswegen hat der Verkehrsausschuss bereits vor der vollständigen Fertigstellung der Vorplanung beschlossen, die Planungen weiterzuführen.

Um Verspätungen abbauen zu können soll die Geschwindigkeit im Hasenbergtunnel talabwärts auf 100km/h und zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße in beide Richtungen auf 80km/h erhöht werden. Bis März soll die Vorplanung abgeschlossen sein. Die Inbetriebnahme erfolgt Ende 2025 gemeinsam mit der Inbetriebnahme der digitalen Technik (ETCS Level 2).

In Vaihingen wurde zwischenzeitlich der neue Bahnsteig an Gleis 4 und 6 in Betrieb genommen, an dem der Verband beteiligt war und, der passend für die S-Bahn mit der nötigen Länge gebaut wurde. Um am neuen Regionalbahnsteig den bahnsteiggleichen Umstieg von Regionalzügen in die S-Bahn zu ermöglichen, sind zwei zusätzliche Weichenverbindungen nötig. Zudem soll eine weitere Abstellmöglichkeit für S-Bahn Triebzüge mit Anbindung an das Gleis 4 geschaffen werden. Die Vorplanung ist abgeschlossen und geht von Kosten in Höhe von 6,2 Millionen Euro aus. Bis Ende 2025 soll auch diese Maßnahme fertiggestellt sein.

In Bad Cannstatt muss der Bahnsteig an Gleis 1 nach Inbetriebnahme von S21 auf
96 cm erhöht werden. Die Planungen hierzu haben begonnen und erweisen sich aufgrund der zum Teil darunterliegenden Bahnhofsräume als aufwendiger als zunächst angenommen.

In Böblingen laufen derzeit die Planungen für weitere Weichen, um eine flexiblere Betriebsführung zu ermöglichen. Zudem muss hier das S-Bahnabstellgleis verlängert werden, damit auch Langzüge (drei Triebwagen) Platz haben. Es wird mit Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro gerechnet und einer Umsetzung bis Ende 2025. In Bezug auf mögliche Anpassungen des Bahnsteigs an Gleis 4 wurde eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. In Ehningen haben die Planungen für ein Wendegleis mit Bahnsteig begonnen und die Planleistungen sind ausgeschrieben.

15-Minuten-Takt Böblingen-Renningen

Für den Ausbau des 15-Minuten-Takts zwischen Böblingen und Renningen werden die ersten Ergebnisse der betrieblichen und verkehrlichen Untersuchung Anfang 2022 erwartet. Basierend darauf beginnen die Planungen.

Langzugbildung, Fahrzeugreserven und dafür nötige Abstellmöglichkeiten

Die Region hat die Beschaffung von weiteren 58 Zügen beschlossen, um das Angebot zu verbessern und u.a. eine Langzubildung in der Hauptverkehrszeit zu gewährleisten. Damit diese abgestellt werden können, bedarf es Ertüchtigungen von Gleisen in Kornwestheim, Stuttgart-Vaihingen, Schorndorf, Bietigheim-Bissingen, Nürtingen und Esslingen. Die Entwurfs- und Genehmigungsplanungen für Kornwestheim (9 Stellplätze Kurzzug), Bietigheim-Bissingen (10 Stellplätze Kurzzug) und Esslingen (4 Stellplätze Kurzzug) sind freigegeben. In Nürtingen und Schorndorf wurden nach den Vorplanungen die weiteren Schritte zurückgestellt, da noch Abstimmungen zur schalltechnischen Beurteilung nötig sind.

Stimmen aus den Fraktionen

Für Rainer Ganske (CDU/ÖDP) zeigten die beschlossenen Maßnahmen, dass die „Region Geld in die Hand genommen und Bewegung in das Thema gebracht“ habe. Er betonte: „Alle Maßnahmen orientieren sich an die Bedürfnisse der Zukunft. Wir müssen klar nach vorne schauen, nicht abwarten und den Menschen in der Region zeigen, dass wir das Angebot stetig verbessern.“ Die Gesamtschau habe zudem gezeigt, dass man überall in der Region etwas tut. Dr. Stefan Belz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) betonte, dass die Schaffung von Kapazitäten und die Verdichtung des Takts wichtig für die Qualität der S-Bahn seien. „Zur Qualität zählen auch die Bahnhöfe und die Möglichkeit niveaugleicher Umstiege.“ Daher sei ein wichtiges Ziel der QSS Maßnahmen die Herstellung der Barrierefreiheit. Hier wünschte er sich ein schnelleres Umsetzungstempo. Bernhard Maier (Freie Wähler) hob die Bedeutung des Vorlaufbetriebs der S62 hervor. „Es ist notwendig zu verdeutlichen, dass es bei dem Betrieb der S62 um eine Übergangsmaßnahme handelt. Langfristig könnten Renningen und der Porscheplatz in Zuffenhausen angebunden werden.“ Für Thomas Leipnitz (SPD) war die Berücksichtigung der Barrierefreiheit am neuen Bahnsteig in Nürtingen wichtig. Stutzig sei er jedoch bei der unklaren Finanzierung des Landes geworden. Bisher sei er davon ausgegangen, dass dort für den Ausbau des ÖPNV „Geld in Hülle und Fülle“ vorhanden sei.
Holger Dorn (AfD) schloss sich seinen Vorrednern an und bezeichnete die Gesamtschau der Maßnahmen als erhellend. Für Armin Serwani (FDP) seien die 100 Millionen gut angelegtes Geld. Er hob hervor, dass viele Maßnahmen nur durch Stuttgart 21 möglich wurden. „Jede Weiche macht das System flexibler, resilienter und stabiler“, betonte Wolfgang Hoepfner (DIE LINKE/PIRAT), weshalb er die Maßnahmen auch begrüßte.

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