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"So kann es nicht weitergehen!"

Sondersitzung des Verkehrsausschusses zu S-Bahn-Verspätungen - Sprecher der S-Bahn Stuttgart nimmt Fahrzeughersteller Bombardier in die Pflicht / Mehr 15-Minuten-Takt und längere Züge
Stuttgart, 03.07.2013 | 

"Wir werden das neue S-Bahn-Fahrzeug ET 430 wieder in den Fahrgastbetrieb nehmen, wenn drei Voraussetzungen gegeben sind: Nachbesserungen, eine Erklärung des Herstellers sowie erfolgreiche Tests", erklärte Hans-Albrecht Krause, der Sprecher der S-Bahn Stuttgart heute im Verkehrsausschuss. Nach den massiven Beeinträchtigungen am Dienstagnachmittag, die durch Türstörungen am neuen S-Bahn-Fahrzeug verursacht worden waren, fiel die Entscheidung, sie nicht mehr im Stuttgarter S-Bahn-Netz einzusetzen, sagte er. Mit Dringlichkeitsanträgen hatten SPD und Grüne um Erläuterungen zu den aktuellen S-Bahn-Problemen gebeten und einen S-Bahn-Gipfel beantragt. In einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses sollen deshalb nach der Sommerpause Vertreter des DB Konzerns und des Fahrzeugherstellers Bombardier Rede und Antwort stehen. Ziel ist es, alle Ursachen für Verspätungen der S-Bahn auf den Tisch zu bringen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Seit der Inbetriebnahme der neuen Züge Ende April habe es "fast keinen Tag gegeben, an dem nicht Mängel im Bereich der Türen und des Schiebetritts auftraten", sagte Krause. Deshalb forderte er die Firma Bombardier nachdrücklich dazu auf, die Fehler "schnellstmöglich und nachhaltig zu beseitigen". Bisher hätten die Nachbesserungen des Herstellers keinen zuverlässigen Einsatz ermöglicht.

"So wie es in den letzten Wochen war, kann es nicht weitergehen", zeigte Wirtschaftsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler vom Verband Region Stuttgart Verständnis für die heute von der S-Bahn Stuttgart bekannt gegebene Entscheidung. Allerdings liege das Thema Pünktlichkeit der S-Bahn nicht alleine an den Türen der neuen Fahrzeuge. "Wir müssen Schritt für Schritt Verbesserungen erzielen und dabei alle Kanäle zu allen Konzernteilen der DB nutzen".

Die Probleme mit den Fahrzeugen sind beim Hersteller zu suchen, machte Harald Raß (SPD) klar. "Aber es gibt weitere Probleme, die zu einem Bild der S-Bahn führen, das wir nicht gutheißen können". Ingrid Grischtschenko (Grüne) unterstrich, dass der Dringlichkeitsantrag ihrer Fraktion über die Probleme mit den Fahrzeugen hinausgehe. "Wir sollten miteinander eine Lösung suchen. Denn die S-Bahn bildet die zentrale Achse im System des ÖPNV der Region." Als "einen mutigen und notwendigen Schritt" bezeichnete Rainer Ganske (CDU) die Entscheidung der S-Bahn, die neuen Fahrzeug aus dem Betrieb zu nehmen. Oberstes Ziel müsse es sein, möglichst schnell wieder pünktlich mit den neuen Fahrzeugen unterwegs zu sein. Im Sinne der Fahrgäste regte er Angebotsverbesserungen als Kompensation an. "Oberste Priorität hat eine pünktliche S-Bahn", sagte Bernhard Maier (Freie Wähler). "Ich halte es für richtig, alle Verantwortlichen an einen Tisch zu bekommen und konkrete Verbesserungsvorschläge zu machen." "Made in Germany" sei offensichtlich keine Erfolgsgarantie mehr, sagte Armin Serwani (FDP). Von einer "Verunsicherung der Pendler und desaströsen Zuständen seit den Bauarbeiten im Hauptbahnhof", sprach Christoph Ozasek (Linke). Es müsse Transparenz hergestellt werden.

Mehr 15-Minuten-Takt und längere Züge

Verkehrsausschuss für Verbesserungen des S-Bahn-Verkehrs

Mehr Fahrten der S-Bahn im 15-Minuten-Takt und den Einsatz längerer S-Bahn-Züge auf der S1. Diese Verbesserungen mit jährlichen Kosten von rund 2,1 Millionen Euro hat der Verkehrsausschuss der Regionalversammlung heute mit Stimmen von CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke zum Beschluss empfohlen. Die Freien Wähler enthielten sich. Die CDU-Fraktion hatte die Verkehrsverbesserungen beantragt.

Der neue S-Bahn-Vertrag bietet Spielräume für betriebliche Verbesserungen zu günstigeren Preisen, sagte Dr. Jürgen Wurmthaler. Eine zentrale Rolle spiele die längste Linie S1. Dort seien in den letzten Jahren so viele neue Fahrgäste im S-Bahn-Netz hinzugekommen, so dass Rückgänge auf anderen Linien abgefedert werden konnten. Die empfohlenen Verbesserungen haben einen Umfang von 150.000 Zug-Kilometern. Dadurch würden an Werktagen 20 S-Bahn-Züge mehr fahren, so Wurmthaler.

Sofern die Regionalversammlung dies beschließt, soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 der 15-Minuten-Takt am Nachmittag auf allen S-Bahn-Linien spätestens gegen 15.30 Uhr, also 30 Minuten früher als heute, beginnen und wie bisher gegen 19.30 Uhr enden. Allein diese Verbesserung schlägt mit rund 1 Millionen Euro zu Buche. Zusätzlich sollen zwei Fahrten am Nachmittag auf der "kleinen S 1" zwischen Esslingen und Schwabstraße so verlängert werden, dass sie zwischen Plochingen und Herrenberg verkehren. Damit beginnt der 15-Minuten-Takt auf der S1 bereits gegen 15.00 Uhr. Abends wird der 15-Minuten-Takt um die Fahrt Plochingen (ab 18:53 Uhr) - Hauptbahnhof (19:20 Uhr) - Herrenberg (an 19.58 Uhr) ergänzt. Um auf einigen Fahrten während der Hauptverkehrszeit mehr Platz in den S-Bahnen der Linie 1 zu schaffen, werden die vier zusätzlichen, neuen Fahrzeuge des Typs ET 430 genutzt werden. An Züge auf 16 Fahrten soll jeweils ein zusätzliches Fahrzeug angehängt werden. Um rechtzeitig mit der S-Bahn zur Frühschicht der Firma Daimler zu kommen, sollen auf drei Jahre befristet zwei zusätzliche Frühfahrten auf der S6 eingerichtet werden.

Große Zustimmung zu Verbesserungen bei der S-Bahn

Ein leistungsgerechter ÖPNV müsse auf die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen eingehen, begründete Rainer Ganske (CDU) die Verbesserungen. Angesichts des neuen Verkehrsvertrags können durch ein vergleichsweise kleines Entgelt deutliche Verbesserungen erzielt werden". Mittelfristig hält er die weitere Ausdehnung der Hauptverkehrszeit sowie Nachtverkehre am Donnerstag für sinnvoll. "Die S-Bahn ist das Rückgrat und damit der Schrittmacher für den ÖPNV in der Region Stuttgart", begrüßte Thomas Leipnitz (SPD) die betrieblichen Verbesserungen. Darüber hinaus könne seine Fraktion der Spätanbindung des Flughafens mit der S3, zwei zusätzlichen Fahrtenpaaren auf der Schusterbahn sowie dem Nachtverkehr donnerstags etwas abgewinnen.

Verweisung in die Regionalversammlung

"Angesichts der jährlichen Kosten von über 2 Millionen Euro sollte zunächst der Haushaltsentwurf fürs nächste Jahr abgewartet werden, bevor die Angebotsverbesserungen beschlossen werden", sagte Bernhard Maier (Freie Wähler). Sein Antrag, die Entscheidung in die Regionalversammlung im Herbst zu verweisen, fand die notwendige Mehrheit von 8 Stimmen (Freie Wähler, FDP).

Mark Breitenbücher (Grüne) verteidigte die Angebotsverbesserungen. "Ein attraktives Angebot bringt die Menschen auf die S-Bahn, das habe die Nacht-S-Bahn gezeigt. Er sprach sich für ein mutiges Vorangehen aus. Derzeit hechele man der Lebenssituation der Menschen hinterher." Albrecht Braun (FDP) fragt "bei allem Wohlwollen für Verbesserungen", wer und wie dies zu finanzieren sei. Er unterstützte den Antrag der Freien Wähler. Christoph Ozasek (Linke) befürwortet die Verbesserungen bei der S-Bahn. Er sprach sich auch für Optimierungen auf der Schusterbahn aus.

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PI_Verkehrsausschuss%2003_07.pdf(149 kB)

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