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Stilvolles Domizil fürs kugelrunde Borstenvieh

Stuttgart, 28.04.2010 | 

Egal, was kommt, Stuttgart hat künftig Schwein. Am 1. Mai eröffnet ein weltweit einzigartiges Museum in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Die 37.000 Teile umfassende Sammlung von Erika Wilhelmer rund um das quiekende Borstenvieh - Skulpturen, Grafiken und Gemälde aus aller Welt - finden ihr neues Domizil pikanterweise dort, wo einst die Worte Wilhelm Buschs galten: "Das Ende des Schweins ist der Anfang der Wurst". Das Schweinemuseum zieht in den stillgelegten Schlachthof in Stuttgart-Gaisburg. Von einem schnöden Schweinestall ist das Gebäude weit entfernt. Der Jugendstilbau wurde über Monate hinweg aufwändig restauriert und umgebaut.

Dort werden künftig saumäßige Sammelstücke auf über 800 Quadratmetern in 26 Themenräumen präsentiert, an denen nicht nur Miss Piggy ihre Freude hätte. Von der Porzellan-Menage für Pfeffer, Salz und Senf aus dem 19. Jahrhundert bis zum historischen Stopfei, von der witzigen Postkarte bis zum rosaroten Sparschwein, von weitgereisten Exponaten aus aller Welt bis zum Kuscheltier zeigt die Sammlung, wie das Kulttier der Kelten und Germanen zu allen nur denkbaren Objekten (kunst-)handwerklich verwurstet wurde.

Das Borstenvieh ziert Aschenbecher, Topflappen, Zigarettendosen und produziert sich wahlweise als Kegelbruder, Raucher oder Sportsmann. Neben Kitsch- und Gebrauchsartikeln finden sich auch seltene Antiquitäten und wertvolle Einzelstücke: Von der Zoologie über das Schwein in Kunst, Kunstgewerbe und Kultur bis zur Mythologie und Symbolik - in dem weltweit einzigartigen Museum werden wechselnde Ausstellungen einen umfassenden Eindruck über die Wahrnehmung des Schweines vermitteln.

Erika Wilhelmer, Gastronomin aus Bad Wimpfen hat die Sammlung im Laufe der Jahrzehnte zusammengetragen. Ursprünglich dienten die heutigen Exponate dem Zweck, Lokale, die sie betrieb, außergewöhnlich zu dekorieren. Doch schon bald hielten die Räumlichkeiten der Flut an Dekorations-Allerlei nicht mehr stand und sie eröffnete vor 20 Jahren in Bad Wimpfen ein Schweinemuseum, das als weltweit größtes seiner Art Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde erhielt. Als die Schweine-Sammlung immer draller wurde und die Sammlung aus allen Nähten zu platzen drohte, ging sie auf neue Standortsuche und wurde in Stuttgart fündig.

Im historischen Schlachthof hat sie nun den idealen Standort gefunden. Mussten die Schweine bislang in wenigen Räumen eng gedrängt ihr Leben in der Öffentlichkeit fristen, so haben sie nun deutlich mehr Auslauf und ihre museumsreifen Artgenossen können zahlreich Ausstellungsluft wittern. Wechselnde Schauen werden künftig Wissenswertes über ein Tier verraten, das vielen Kulturen als unrein gilt, während andere in ihm einen Glücksbringer sehen. Die hübscheste Herleitung der Redewendung "Schwein gehabt" stammt aus dem Mittelalter. Bei volkstümlichen Wettspielen erhielt der letzte, begleitet von spöttischen Glückwünschen - "Wer schießen will und fällt doch rein, der trägt die Sau im Ärmel heim" - als Preis ein Ferkel. Für den Verlierer war das Schweinchen ein unerwartet erworbenes Wertobjekt und somit ein kleiner Glücksbringer.

Damals galt das fruchtbare Borstenvieh als gute Nahrungs- und Einkommensquelle und war weit entfernt vom wenig schmeichelhaften Nimbus der dummen Sau. Es ist das am frühesten domestizierte Tier und genetisch eng mit dem Menschen verwandt. Der Organismus des Schweines ist auch in der beneidenswerten Lage, Ascorbinsäure (Vitamin C) selbst zu produzieren. In den alten Kulturen stand das Schwein vielfach als Sinnbild der Mütterlichkeit, Fruchtbarkeit, der Sexualität und Potenz und nicht zuletzt als Symbol des Wohlstandes. Die nordgermanische Göttin Freya trug den Beinamen Syr (Sau). In den griechischen Mysterien war das Schwein geheiligtes Opfertier der Göttin Demeter. Auf der Kanareninsel Hierro diente bei den vorspanischen Ureinwohnern ein Schwein als Vermittler zur Gottheit, die um Regen angefleht wurde. In China symbolisiert das Schwein "männliche Stärke". das Schwein als Fruchtbarkeit und Reichtum symbolisiert und gern auch geopfert und verzehrt wurde.

Die Sau rauslassen können die kleinen Besucher des Schweinemuseums auf dem angeschlossenen Spielplatz. Wer Hunger hat oder den Hüftspeck pflegen möchte findet im Erdgeschoss des Jugendstilgebäudes ein familienfreundliches Restaurant. Im Sommer laden zusätzlich ein Biergarten sowie eine Kaffeehausterrasse mit insgesamt 200 Plätzen ein. Auf der Speisekarte werden unter anderem Spanferkel vom Grill, Haxen und Hähnchen zu finden sein. Ein Skulpturengarten rundet den Außenbereich ab. Ein Museumsshop erfüllt Wünsche hinsichtlich "schweinischer" Souvenirs. "Wir haben viel Abwechslung zu bieten", so Ausstellungsarchitekt Dirk Schubert. In das Bauprojekt hat Gastronom Michael Wilhelmer etwa 2,3 Millionen Euro investiert. In Planung ist laut Aussage der Betreiber noch ein Wintergarten-Anbau mit weiteren 90 Plätzen.

www.schweinemuseum.de

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