Suche

presseservice.region-stuttgart.de

Vom Wunderkind zum Mondgucker

Marbach und Esslingen ehren Tobias Mayer zu dessen 250. Todestag: Der Mathematiker und Astronom wandelte auf Newtons Spuren
02.02.2012 | 

Wenn ein Mondkrater den eigenen Namen trägt und hochangesehene Naturwissenschaftler den Kollegen mit Lob bedenken, dann muss derjenige schon etwas auf dem Kasten haben. Diese Ehre wurde im 18. Jahrhundert dem Mathematiker und Astronomen Tobias Mayer zuteil. Carl Friedrich Gauss, Wunderkind und Koryphäe seines Fachs nannte ihn "Mayer immortalis" - den unsterblichen Mayer und der angesehene Astronom F.X. von Zach (1754-1832) rühmte seinen astronomischen Spiegelkreis als die größte astronomische Erfindung des 18. Jahrhunderts.

Die Stadt Marbach, wo er am 17. Februar 1723 geboren wurde, verbindet man eher mit Friedrich Schiller, dem bekannteren Sohn der Stadt. Tobias Mayers Geburtshaus in der Torgasse 13 ist nur ein paar Schritte von dem Gebäude entfernt, in dem der weitaus berühmtere Dichter zur Welt kam.

Ausnahmetalent und wissenschaftlicher Pionier

Tobias Mayer, der zu Unrecht kaum bekannt ist, war ebenso Kartograph und Geograph, ein Ausnahmetalent und wissenschaftlicher Pionier in der Zeit der Aufklärung. In diesem Jahr jährt sich sein Todestag zum 250. Mal. Der Vater des begabten Jungen war ein einfacher Brunnenwärter und Wagner. Als er ein Jahr alt ist, siedelte die Familie nach Esslingen über, wo der Sohn seine Jugend und Schulzeit verbrachte. Mit acht Jahren stirbt sein Vater. Die völlig mittellose Mutter, Tobias hatte weitere sieben Geschwister, bittet den Esslinger Stadtrat um Unterstützung. Tobias wird in einem Waisenhaus untergebracht und verpflegt. Schon früh galt der Fünfjährige in der Stadt als Wunderkind, das die Eltern, "mehr um Tinte, Feder und Papier als um Brot bat", so eine historische Quelle.

Sechs Jahre später ist er bereits Vollwaise, kann aber die örtliche Lateinschule besuchen, die allerdings außer einfachem Rechnen keinerlei mathematische Kenntnisse vermittelte, so wie es damals üblich war. Im 18. Jahrhundert besaßen Naturwissenschaften nur einen geringen Stellenwert und wurden oft noch als Kuriosum betrachtet. Erst als man feststellte, dass die Erkenntnisse daraus auch wirtschaftlich nutzbar waren, gewannen technische und naturwissenschaftliche Fächer an Bedeutung.

Der Kartograph: Erster Stadtplan von Esslingen

Tobias Mayer, der sich früh für Mathematik interessierte, musste sein Wissen autodidaktisch erwerben. Davon zeugt der 1739 von ihm verfertigte erste Stadtplan von Esslingen. Bereits zwei Jahre später veröffentlicht er sein erstes Buch über Geometrie und Mathematik. Mit zwanzig Jahren verlässt Mayer Esslingen, und zieht nach Augsburg, wo er 1745 Mitarbeiter des Pfeffel-Verlages wird.

Dort veröffentlicht er einen Mathematischen Atlas sowie ein Buch über das den Festungsbau herausbrachte. Mit dem Atlas hatte er sich einen so guten Namen gemacht, dass ihm daraufhin eine Stelle als leitender Mitarbeiter im Nürnberger Landkartenverlag von Homanns Erben angeboten wurde.

In den folgenden fünf Jahren publizierte Mayer rund 30 Landkarten, darunter die "Mappa Critica", bis dahin die genaueste Deutschlandkarte jener Zeit. Zielgerichtet deckte er viele Ungenauigkeiten des damals verwendeten Materials auf. Mayer zeichnete die Karten ab und legte sie übereinander und korrigierte die Unterschiede mit seinen gewonnenen Methoden.

Der Astronom: Mondtafeln zur besseren Navigation

Neben verschiedenen Aufsätzen, die er über astronomische Probleme verfasste, schaute der leidenschaftliche Astronom am liebsten in den Mond und entdeckte dort Dinge, die vor ihm noch niemand gesehen hatte. Mit seiner Theorie der Mondbewegung entwickelte er Isaac Newtons bahnbrechende physikalische Erkenntnisse weiter.

Seine Mondtafeln waren die ersten, die die elliptische Bahn, in der der Mond um die Erde kreist, sehr genau beschreiben. Den Lohn seiner Entdeckungen konnte er selbst nicht entgegennehmen. Unter dem Titel "Theoria lunae juxta systema Newtonianum" wurden sie erstmals 1767 in London publiziert. Mayer gewann damit posthum einen Preis, den das britische Parlament bereits 1714 ausgelobt hatte. Seine Witwe erhielt als Anerkennung für die Verdienste ihres Mannes um die Lösung des Längenproblems von der britischen Regierung eine Prämie von stolzen 3.000 Pfund.

Seine Mondtafeln, die so genau waren, dass sie mehr als 100 Jahre galten, waren nicht die Erkenntnisse eines weltfremden Wissenschaftlers, im Gegenteil. Tobias Mayer entwickelte sozusagen das GPS des 18. Jahrhunderts. Seine Mondtafeln, die die Position des Erdtrabanten in Bezug auf die Längengrade der Erde beschrieben, bedeuteten einen Meilenstein in der Geschichte der Navigation.

Zuvor waren Navigationsungenauigkeiten um bis zu 150 nautische Meilen möglich. Mayer konstruierte dafür ein neues astronomisches Messinstrument, das auch bei der Landvermessung genutzt wurde. Es bestand aus zwei gegeneinander drehbaren und getrennt voneinander feststellbaren Visiereinrichtungen mit Fernrohr. Durch wiederholte Winkelmessungen erreichte er für seine Zeit verblüffend genaue Werte. So gesehen kann Mayer als ein Pionier moderner Autoleit- und Navigationssysteme gesehen werden.

Der Professor: Es geht auch ohne Universitätsstudium

Sein Können wurde 1751 mit einer Stelle als Mathematikprofessor an der Univerität Göttingen belohnt, obwohl Mayer nie eine Universität besucht hatte. Dort leitete er auch die zugehörige Sternwarte. Bis zu seinem frühen Tod 1756 veröffentlichte Mayer zahlreiche Werke über Längenbestimmung, Messverfahren zur Abbildung der Erdoberfläche, Messinstrumente, Astronomie, Geophysik, Mathematik.

Trotz vielfältiger Behinderungen während des Siebenjährigen Krieges, den die europäischen Hahnreie königlichen Geblüts gegeneinander führten, forschte Mayer weiter und schrieb Bücher über das Erdmagnetfeld und zur Farbentheorie. Am 23. Februar 1763 stirbt der ebenso gelehrte wie hochgeschätzte Wissenschaftler eines neuen Schlags vollkommen unerwartet an Typhus.

Die Wiederentdeckung des Ausnahmewissenschaftlers

Tobias Mayers Verdienste waren lange in der Versenkung verschwunden. Eine 1970 erschienene Biographie von E. G. Forbes bereitete den Weg für eine Wiederentdeckung des umtriebigen Astronomen, dessen Wurzeln in der Region Stuttgart liegen. 1981 wurde der Tobias Mayer Verein in Marbach gegründet. Der rührige Verein betreibt das Museum im Marbacher Geburtshaus des Astronomen. Hier ist neben der Nachbildung des Astrolabiums auch der von ihm entwickelte Mondglobus zu sehen. Zu Ehren von Tobias Mayer sind im Jubiläumsjahr viele Veranstaltungen geplant, die seine Stellung neben anderen herausragenden Größen aus der Region Stuttgart, wie Johannes Kepler, Wilhelm Schickardt oder Philipp Matthäus Hahn, bestätigen.

Anlässlich des Jubiläumsjahres zeigt das Buchmuseum eine Ausstellung des Tobias-Mayer-Vereins e.V., die in Zusammenarbeit mit der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart entstanden ist. Das Tobias Mayer Symposium in Marbach lässt renommierte Wissenschaftler zu Wort kommen. Es wird ein Ausstellung über die Familie Mayer geben sowie eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert. Poetischer nähert sich das Literaturmuseum der Moderne dem Sujet - mit Mond-Schein-Geschichten.

Die Stadt Esslingen fokussiert ihr Tobias-Mayer-Programm mehr auf Kinder und Jugendliche.Sie können bei einem Kunstprojekt Mayers Stadtplan auf Asphalt malen. "Sonne, Mond und Sterne " heißt das Kinderkonzert der Musikschule. Theater, Film sowie Vorträge über den berühmten Sohn der Stadt runden die Angebote ab. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Esslingen gibt es einen Science-Slam. Der Wettbewerb versammelt Studenten, angehende Doktoranden und Interessierte, die innerhalb von 10 Minuten ein wissenschaftliches Thema ihrer Wahl populär und unterhaltsam darstellen.

www.schillerstadt-marbach.de

www.tobias-mayer-verein.de

www.esslingen.de

Wirtschaftsförderung Region Stuttgart auf Twitter

Die #FilmCommissionRegionStuttgart sucht eine/n Mitarbeiter/in für #Kommunikation, #Marketing, #PR &… https://t.co/VHYTnGh9wI · vor 5 Tagen
Ihr seid im #Kreativbereich tätig und habt eine tolle Geschäftsidee? Dann bewerbt Euch bei der #Sandbox vom Startup… https://t.co/F2ycl8P4zq · vor 6 Tagen
#UnseenWesteros! Die Game-of-Thrones-Ausstellung bei der #WRS startet am Sonntag, 14.10. Mehrere Künstler haben die… https://t.co/5XN7LkwGqJ · vor 9 Tagen