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Von der Schuhmacherwerkstatt zur Weltmarke

Erste Etappe einer dreistufigen Ausstellung: Die Geschichte von Salamander in Kornwestheim
Kornwestheim, 27.12.2011 | 

Mit 24 Jahren machte sich der Schuhmacher Jakob Sigle selbstständig. Das war im Jahr 1885. Damals hätte er wohl im Traum nicht daran gedacht, dass er einmal zum größten Schuhhersteller der Welt avancieren würde. Seine Werkstatt in der Vorstadt des noch ländlich geprägten Kornwestheim bildete die Keimzelle eines Unternehmenserfolgs, der als Modellfall für die Wirtschaftsgeschichte in der Region Stuttgart gelten kann.

Mit Salamander begann in Kornwestheim das Industriezeitalter. Ende der 1920-er Jahre war das Unternehmen zur Weltmarke aufgestiegen und der größte Schuhhersteller zwischen Alaska und Australien. Im Jahr 1928 produzierten rund 5.000 Arbeiter knapp vier Millionen Paar Schuhe für Kunden in der ganzen Welt.

Erfolgreich mit moderner Marketingstrategie

"Salamander" war zum Inbegriff für zeitgemäßes Schuhwerk geworden, das hochwertige Qualität, perfekte Passform, modische Prägung und erschwinglicher Preislage vereinte. Die Marke verdankte ihren Siegeszug nicht zuletzt der fortschrittlichen Verkaufsstrategie von Max Levi (1868-1925).

Sechs Jahre nach der Gründung traf Sigle den Stuttgarter Handelsreisenden und nahm den gewieften Kaufmann als Partner mit ins Unternehmen. Sie firmierten als "J. Sigle und Cie". 1897 hatte das erfolgreiche Duo bereits 125 Mitarbeiter sowie einen vierstöckigen Werkstattausbau vorzuweisen.

Levi schuf ein Vertriebssystem, welches neben Geschäften mit Alleinverkaufsrecht auf eigene Filialen, auch außerhalb Deutschlands, setzte. Feststehende Preise, was damals keineswegs eine Selbstverständlichkeit war, dazu beste Qualität zu günstigen Preisen und der Einkauf in einem anspruchsvollen Ladenambiente - mit dieser modernen Marketingstrategie hatte das Unternehmen rasch großen Erfolg.

Brosche als Vorbild für den Salamander

Der Berliner Schuhhändler Rudolf Moos trug seinen Teil zu der Kornwestheimer Erfolgsgeschichte bei. Er rief einen Wettbewerb aus, um gute Schuhe zum damals attraktiven Preis von 12,50 Mark zu verkaufen. Jakob Sigle erhielt den Zuschlag für den Großauftrag. Moos stieg in das Unternehmen ein und schuf die Marke Salamander. Es wird erzählt, dass ihm die Idee dazu angesichts eines Reklamebilds kam, auf dem eine Frau mit einer Salamanderbrosche zu sehen war. Moos, dem wohl früh die internationale Ausrichtung der Marke vorschwebte, war wichtig, dass der Name in verschiedenen Sprachen gut auszusprechen ist - heutzutage für Firmen eine Selbstverständlichkeit.

Als Max Levi dem Schuhhändler Rudolf Moos die ersten Muster zeigte, war dieser allerdings wenig angetan. Er sagte ihm rundheraus, "dass diese Schuhe für Bauern und die ländliche Bevölkerung wären, aber nicht für Menschen in der Großstadt und den Berliner Markt". Levi ließ sich davon nicht beirren. Ein Jahr später kehrte er mit schickeren Modellen zurück. Damit begann der große Erfolg des Unternehmens.

Filialsystem und exklusive Verkaufsrechte

1904 wurde Salamander als Wort- und Bildmarke geschützt. Kurz danach baute Sigle eine größere Schuhfabrik in Kornwestheim. Mit Rudolf Moos gründete er die Salamander Schuhvertriebsgesellschaft mbH. Als Moos 1909 aus dem Unternehmen ausschied, überstieg die Produktion bereits die Millionengrenze.

Bereits fünf Jahre später hatte Salamander deutschlandweit 26 eigene Filialen. In Berlin residierte das Kornwestheimer Unternehmen an einer der feinsten Adressen, in der Tauentzienstraße nahe des Kurfürstendamms. Gründer und Geschäftspartner profitierten voneinander. Sigle lieferte das handwerkliche Können, der erfahrene, weltgewandte Levi brachte sein Geld in Sigles Unternehmen ein und steuerte gemeinsam mit Rudolf Moos das Marketing der Salamander-Schuhe. 1914 produzieren 2.880 Mitarbeiter über zwei Millionen Paar Schuhe. 1927 ist die Marke Salamander in 123 Staaten eingetragen.

Verschiedene Blickwinkel auf den Werdegang des Unternehmens

Anlässlich des 150. Geburtstagsjubiläums des Firmengründers präsentiert das Museum im Kornwestheimer Kleihues-Bau eine Ausstellung, die den Werdegang des Unternehmens in der Zeit von 1885 bis zum Tode seines Gründers im Jahre 1935 aus historischer, sozial-, kultur-, familien-, wie modegeschichtlicher Perspektive beleuchtet. Sie schöpft aus zahlreichen bis dato der Forschung unbekannten Quellen und vereinigt über 400 Exponate von Leihgebern aus dem In- und Ausland, darunter auch die Lurchi-Hefte, die 1937 erstmals verschenkt wurden, um die Kinder beim Schuhkauf bei Laune zu halten.

Die Ausstellung ist Teil eines dreistufigen Projektes, das in zweiter und dritter Etappe die Entwicklung der Firma "Salamander" im Nationalsozialismus und in den Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders dokumentiert.

Bis 29. Juli 2012
Öffnungszeiten: Freitag - Sonntag 11:00 - 18:00 Uhr

www.kornwestheim.de

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