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Zeitlos gut behütet

Stuttgart, 02.03.2012 | 

Seit 1991 entwirft Birgit Sophie Metzger Mützen, Kopfbedeckungen, Herren- und Damenhüte und ausgefallenen Kopfschmuck. Die verkauft sie seit 1995 im eigenen Laden, dem "Szenario" in der Esslinger Altstadt. Mit ihren ausgefallenen und dennoch tragbaren Kopfbedeckungen voll extravaganter Eleganz, Witz und Erotik hat sich die Hutdesignerin einen Namen gemacht: Auf internationalen Modemessen, in angesehenen Ateliers und ausgefallenen Modehäusern dürfen ihre Kreationen nicht fehlen. Derzeit sind vor allem die "Headpieces" oder "Fascinator" - Kopfschmuck¬¬, der auf eine Haarklammer aufgebracht wird - angesagt. In Kürze soll ein Onlineshop die Szenario-Fangemeinde vergrößern.

Modisch bewusste Menschen tragen in dieser Saison extravagante mit Federn versehene "Haargestecke". Die Zeiten, in denen Hut und Mütze allein aus praktischen Gründen getragen wurden, sind längst passé. Nach den vielen royalen Festivitäten der vergangenen Jahre ist der Mut zum Hut deutlich gewachsen - und das nicht nur bei Damen jenseits der 80. Viele junge Frauen und auch Männer mögen auffallende Kopfbedeckungen, egal ob beim Shopping, im Büro, an der Uni oder im Szenecafé.

Darüber freut sich besonders Birgit Sophie Metzger aus Esslingen am Neckar, die seit gut 20 Jahren ausgefallene Herren- und Damenhüte, Mützen und Kopfschmuck herstellt. Ihre Kollektionen in rot/pink oder konsequent in schwarz vertreibt sie unter dem Label "Szenario". Auf internationalen Mode-messen, in angesehenen Ateliers und ausgefallenen Modehäusern sind ihre Kreationen längst zu finden; ihr eigener Laden in der Esslinger Altstadt, den sie seit 1995 betreibt, hat sich zu einem Mekka für Hutliebhaber entwickelt. "Wer einen Hut trägt, setzt ein Zeichen, vermittelt eine Botschaft und fühlt sich unabhängig von der Meinung anderer", sagt die Modistin. "Hut zu tragen, ist keine Frage der Eitelkeit, es ist eine Frage des guten Geschmacks und auch des liebevollen Umgangs mit sich selbst."

Der Liebe zu Hüten verfallen

Wenn es nach ihren Eltern gegangen wäre, hätte Birgit Sophie Metzger nach dem Abitur Industriedesign studiert. Doch es sollte anders kommen. Bei der Aufnahmeprüfung an der Universität für angewandte Kunst in Wien, die sie "mit Glanz und Gloria" vermasselte, lernte sie 1990 ihren späteren Freund, einen waschechten Wiener, kennen. Der machte sie mit den Wiener Mützenmacherinnen bekannt, deren Handwerkskunst sie sofort magisch anzog. Von da an wollte sie nur noch nach ausgefallene Materialien suchen, Texturen entwerfen, an Formen feilen und Ideen umsetzen, um sie dann selbst in Handarbeit zu realisieren. "Ich war von der Idee, Hutdesignerin zu werden so fasziniert, dass mich nichts und niemand davon hätte abhalten können, diesen Beruf zu ergreifen", sagt Birgit Sophie Metzger.

Ohne jegliche Ausbildung machten sich die begabten Autodidakten daran, Mützen entwerfen. "Meine Mutter war gar nicht begeistert von meinen Vorstellungen, aber mein Onkel, der eine Schreinerei betrieb, glaubte an uns und stellte uns Räume zur Verfügung", erinnert sich die Hutdesignerin. "Wir entwarfen und nähten rund um die Uhr."

Der Fleiß zahlte sich bald aus: Bereits 1991 wurde die erste Kollektion unter dem Namen Szenario auf der damals größten Modemesse der Welt, der Igedo in Düsseldorf, präsentiert. Sie wurde ein Riesenerfolg und die Einkäuferin des renommierten Münchener Modehauses Beck orderte. "Bisher hatten wir nur die Musterkollektion erarbeitet, nun musste sich zeigen, ob wir das auch in größerem Stil beherrschten", sagt Birgit Sophie Metzger. "Und wir merkten schnell, dass wir an unsere Grenzen stießen." Damals habe sie sich zum ersten Mal eingestanden, dass es kein Nachteil gewesen wäre, den Beruf von der Pike auf zu lernen. "Kreativität ist schön und gut, aber das Handwerk zählt nicht minder." Dennoch gelang das scheinbar Unmögliche: Szenario konnte eine Schneiderin beschäftigen und an andere Ateliers outsourcen, bis es unabdingbar wurde, auch eine Modistin einzustellen.

Auch in Hollywood ist die Angst vor dem Hut verschwunden

Seit 1995 betreibt Birgit Sophie Metzger ihren kleinen feinen Laden mit angeschlossenem Atelier in Esslingen allein. Ihre süddeutsche Heimat hat ihren puren Stil geprägt. Formen und Schnitte werden zur Perfektion gebracht. Klare Linien und Formen erinnern an das Deutsche Bauhaus. "Grundsätzlich arbeite ich mit den geometrischen Grundformen wie Kreis und Dreieck, die ich in zahlreichen Materialien und Oberflächen finde und übersetze diese ins Dreidimensionale", erklärt die Designerin. Mit phantasievollen Kreationen voll extravaganter Eleganz und einer Spur Witz und Erotik machte sie sich in anspruchsvollen Kreisen einen Namen. "Es hat sich herumgesprochen, dass ich individuelle Hüte und Kopfschmuck entwerfe, deshalb kommen die Kunden aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland. In Österreich kann man meine Kreationen über meine Wiener Galeristin ordern." Besuch aus Hollywood gab es vor kurzem auch. Die amerikanische Schauspielerin Catherine Heigl ist bei ihrer Stippvisite in Esslingen vom offiziellen Programm abgewichen und in den Hutladen ausgebüchst. Nicht ohne reiche Beute: jetzt nennt sie zwei Mützen im Stil der 1920er-Jahre und Kopfschmuck aus schwarzem Lack mit Federn und einen aus Stachelrochenleder ihr Eigen. "Die Angst vor dem Hut ist verschwunden."

Zurzeit sind vor allem die "Headpieces" - ein kleiner auf einer Haarklammer aufgebrachter Haarschmuck - angesagt. "Spätestens nach den Royal Weddings machte diese Idee Furore", sagt Birgit Sophie Metzger. "Dabei ist die gar nicht so neu, Bezüge finden sich bei den Cocktailspangen der 1950er-Jahre oder in der Hochzeitstracht aus dem Schwarzwald, dem Schäppel." Die Idee zu diesem ausgefallenen Kopfschmuck entstand vor über 15 Jahren. "Damit ist Frau im Handumdrehen perfekt, elegant und fantasievoll gestylt, egal ob sie in die Oper oder im angesagten Club tanzen geht - oder einfach mal so. Ich habe mein Headpiece immer in der Handtasche." Die Anschaffungskosten für diese Kleinigkeit von Hut bewegen sich zwischen 150 und 3.800 Euro - je nach Material, Aufwand und Arbeitszeit. Gut angelegtes Geld für ein ausgefallenes Stück mit hohem Identifikationswert.

Das Kulturgut Hut bewahren

Bei Szenario sind alle Kopfbedeckungen aufwändige Einzelanfertigungen, die nach hohen Qualitäts- und Sozialstandards in Deutschland hergestellt werden. Obwohl selbst keine ausgebildete Modistin, darf Birgit Sophie Metzger dank der Reform des Handwerksrechts inzwischen auch ausbilden. "Endlich zählen Sachkenntnis, Kreativität und Leistung ebenso viel wie der Meisterbrief", sagt die Esslingerin, die im Jahr 2000 den Förderpreis für Junges Kunsthandwerk und zwei Jahre später den Staatspreis für Gestaltung, Kunst und Handwerk bekam. "Ich möchte, dass alte und sinnvolle Techniken weitergegeben und bewahrt werden und das Handwerk nicht von der Industrie verdrängt wird", sagt Birgit Sophie Metzger. Von dieser Haltung profitiert zurzeit der dritte Lehrling im Atelier - ein junger Mann mit Liebe zum Hut.

Vor zwei Jahren brachte die Szenario-Gründerin eine Braut- und eine Trauerkollektion auf den Markt. Demnächst soll es ihre Kollektionen im eigenen Onlineshop geben. "Für mich sind Kopfbedeckungen Zeichen von Zeitgeist und Lebensgefühl, Ich möchte dazu beitragen, das Kulturgut Hut zu bewahren als etwas Lebendiges und sich ständig Weiterentwickelndes."

www.birgitsophiemetzger.com

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